Ärzte Zeitung, 10.09.2008

Notfallmediziner kritisieren Klinikstrukturen

Mediziner fordern zentrale Anlaufstelle für Patienten / Notaufnahme gehört in die Hände erfahrener Ärzte

BREMEN (cben). Klinikmediziner haben sich auf der Messe "akut -Deutsches Forum für Notfallmedizin & Rettung" in Bremen für die Einrichtung zentraler Notaufnahmen an den Kliniken ausgesprochen. Diese sollten zudem mit erfahrenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen besetzt werden, forderten sie auf einem Workshop.

Notfallmediziner kritisieren Klinikstrukturen

Probe für den Ernstfall: Sanitäter bringen einen "Verletzten" in die Notaufnahme einer Freiburger Klinik.

Foto: dpa

"Wir haben in Deutschland rund 2100 Krankenhäuser mit Notaufnahmen", sagte Barbara Hogan vom Allgemeinen Krankenhaus Altona (AKA), "aber während die Präklinik außerordentlich gut organisiert ist, sind die Notaufnahmen selbst oft zu dezentral und schlecht organisiert."

Große Krankenhäuser hätten oft "mehrere Notaufnahmemöglichkeiten vom Schockraum bis zum Chest Pain Unit", so André Gries vom Klinikum Fulda. "Wenn wir dann berücksichtigen, dass 35 Prozent aller Patienten selber über die Notaufnahme in die Kliniken kommen, kann man sich die Verwirrung bei ihnen vorstellen, wenn sie die richtige Adresse suchen." Für eine moderne Klinik sei daher ein zentrale Notaufnahme unbedingt erforderlich, waren sich die Referenten einig.

Neben der dezentralen Aufnahmestruktur beklagten die Referenten auch die mangelhaft zugeordneten Aufgaben in den Notaufnahmen. "Viel zu oft sind da Assistenzärzte am Werk, die nicht genau diagnostizieren können, was der eingelieferte Patient hat", sagte Barbara Hogan. Die Folge: Die Patienten der Notaufnahme werden von Abteilung zu Abteilung durchs Haus geschoben - Mehrfachdiagnostik ist die Folge. Das koste Zeit, Geld und manchmal die Gesundheit des Patienten.

Als Lösung favorisierten alle Redner die integrierte Notfallaufnahme. "Und zwar mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen, die sich selbst organisieren", sagte Gries. Es sei unbedingt eine Diagnostik vor Ort erforderlich. Thomas Semmel vom Deutschen Roten Kreuz Gelnhausen forderte bessere Kommunikationsstrukturen zwischen den Rettern und der Notfallaufnahme sowie günstigere Entlademöglichkeiten für die Rettungswagen. "Zum Teil holpern wir mit den Patienten über Kopfsteinpflaster in die Krankenhäuser", sagte Semmel.

"Die Mortalität nach Unfällen hängt immer noch viel zu sehr von den Zielkliniken ab", schloss Gries.

Barbara Hogan unterstrich ihre Forderung nach einem Facharzt für Notfallmedizin, "weil in der Notaufnahme die notwendigen Fachärzte nicht verfügbar sind." Angesichts der gegenwärtigen Situation sei ein solcher Facharzt Notfallmedizin "folgerichtig und fachgerecht." Hogan schätzt den Bedarf so ausgebildeter Experten bis zum Jahr 2012 auf 2400 Ärzte.

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