Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung online, 04.09.2008

Reaktorausfälle: Voraussichtlich bis Oktober nur Notfall-Szintigrafien

ESSEN (fst). Nuklearmediziner haben vor Versorgungsengpässen gewarnt, weil der Nachschub mit Radionukliden fehlt. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) weist darauf hin, dass jede zweite Knochen-, Schilddrüsen- und Herzszintigrafie mit Technetium 99m voraussichtlich verschoben werden. Der BDN informiert im Internet, wo solche Szintigrafien derzeit möglich sind.

Szintigrafie-Engpässe gibt es in den nächsten vier Wochen, da weltweit vier von fünf Reaktoren ausgefallen sind, die die Isotope liefern.

Foto: Prof. Rainer Hehrmann

Grund für den Engpass ist, dass vier der weltweit fünf Reaktoren, in denen die Ausgangsisotope hergestellt werden, gegenwärtig ausgefallen sind, wie der BDN mitteilt. Deutschland ist vom Ausfall des Reaktors in den Niederlanden betroffen. Drei weitere Reaktoren werden derzeit gewartet.

Damit ist für Versorgung von Kliniken und Praxen mit Molybdän 99 gefährdet. Molybdän 99 ist Ausgangsisotop für Technetium 99m, das etwa für Knochen-, Schilddrüsen- oder Herzszintigrafien genutzt wird. Da Technetium 99m eine geringe Halbwertzeit von sechs Stunden hat, können keine Vorräte gehalten werden.

Engpass kann bis zu vier Wochen anhalten

Der Engpass kann drei bis vier Wochen anhalten. In dieser Zeit können nach Angaben des BDN nur Notfall-Untersuchungen angeboten. Die durch die Reaktorausfälle hervorgerufenen Engpässe betreffen auch Isotope wie Yttrium, die Radiosynovioorthese genutzt werden. Dabei werden die Isotope in arthrotische Gelenke gespritzt, um Nerven zu veröden und so die Schmerzen zu lindern.

PET-Untersuchungen sind weiter möglich

Nicht betroffen sind PET (Positronen-Emissions-Tomografien), bei denen ebenfalls radioaktive Isotope wie 18-Fluor-Deoxyglukose (FDG) genutzt werden. Denn diese Isotope werden in Deutschland hergestellt.

Der BDN hat im Internet ein Portal eingerichtet, in dem Patienten und überweisende Ärzte anhand von Postleitzahlen prüfen können, wo nuklearmedizinische Diagnostik zurzeit verfügbar ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »