Ärzte Zeitung, 10.09.2008

Hamburg will Referenzzentrum für urbane Gesundheit werden

Hamburg hat ehrgeizige Ziele: Beim Thema Altern zum Beispiel will sich die Hansestadt zu einem nationalen Referenzzentrum für innovative Aus- und Fortbildungskonzepte im Pflegebereich sowie für neue Wohnformen im Alter mausern. Im Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums (BMBF) hat es das Hamburger Konzept für eine "Urbane Gesundheit" in die zweite Runde geschafft.

Von Thomas Hommel

Kontrolle am Monitor: Operation im Asklepios Future Hospital.

Foto: Asklepios

Hamburg war schon immer ein Ort für clevere Ideen: Tintenkuli, Rechenschieber, Notrufsäule und Lippenpflegestift wurden hier erfunden. Auch das Gemisch für das bekannte Händedesinfektionsmittel "Sterillium" haben Forscher und Kliniker aus der Hansestadt entwickelt.

Weitere Geistesblitze sollen folgen. Auch in der Gesundheitswirtschaft wollen die Hamburger ihre Spuren hinterlassen. Die Chancen, dass ihnen das gelingt, sind gut. So darf sich die Freie und Hansestadt neuerdings "Gesundheitsregion der Zukunft" nennen.

Im gleichnamigen Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums (BMBF) hat es das Hamburger Konzept für eine "Urbane Gesundheit" in die zweite Runde geschafft. Ausgestattet mit 100 000 Euro haben die Hanseaten nun bis zum Frühjahr 2009 Zeit, ihre Projekte weiterzuentwickeln. Experten aus 60 verschiedenen Unternehmen und Institutionen unter Federführung der Handelskammer Hamburg wollen sich einbringen und die Stadt zu einer der fünf Top-Adressen der Gesundheitswirtschaft in Deutschland machen.

Drei Entwicklungsfelder beackern

Konzentrieren wollen sich die Akteure vor allem auf drei Anforderungen, mit denen es das Gesundheitswesen einer Großstadt ihrer Ansicht nach künftig zu tun haben wird: "Aufwachsen", "Altern" und "Gesund werden". Die Ziele, die sich die Akteure gesteckt haben, sind ehrgeizig.

So strebt man im Bereich "Aufwachsen" eine Vorreiterrolle in der Verknüpfung von Bildung und Forschung für ein besseres Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen in der urbanen Gesellschaft an. Beim Thema "Altern" will sich Hamburg zu einem "nationalen Referenzzentrum" für innovative Aus- und Fortbildungskonzepte im Pflegebereich sowie für neue Wohnformen im Alter mausern.

Hamburg - das Tor zur Welt rückt die Gesundheit in den Fokus.

Foto: dpa

Im Entwicklungsfeld "Gesund werden" schließlich wollen Mediziner gemeinsam mit Vertretern der Krankenkassen sektorenübergreifende Patientenpfade für Krankheiten wie Diabetes und Darmkrebs entwickeln. Außerdem soll Hamburgs bedeutende Rolle bei der Erforschung gefährlicher Infektionskrankheiten durch ein "Infektionskolleg" für den medizinischen Alltag in Praxen und Krankenhäusern nutzbar gemacht werden. Ob und wie die neuen Konzepte greifen, soll von einem noch zu gründenden "Institut für Versorgungsforschung" untersucht werden.

Dass für die rasche Umsetzung der Projekte genügend Kompetenz und Personal vorhanden ist, steht für die Hamburger außer Frage. "Die Stadt zeichnet sich durch eine sehr gute, differenzierte und hoch spezialisierte medizinische Versorgung aus - mit guten Kliniken, einem guten Netz aus Fach- und Hausärzten und zahlreichen Angeboten zur Prävention", sagt Professor Jörg Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Die Gesundheitsmetropole Hamburg habe es "als erste" geschafft, für ihre Bürger die Qualitätsdaten verschiedener Kliniken verständlich auf einer gemeinsamen Internetseite zu veröffentlichen ("Hamburger Krankenhausspiegel"). "Die Transparenz der medizinischen Qualität", sagt Debatin, "ist in der Hansestadt Grundlage für einen Wettbewerb der Anbieter untereinander. Sie stärkt den Gesundheitsstandort Hamburg insgesamt."

"Hamburg ist zwar kein Weltmeister auf irgendeinem Feld der Gesundheitswirtschaft, besticht aber durch eine unheimliche Bandbreite an Dienstleistungen", erklärt der Gesundheitsunternehmer und frühere LBK-Vorstandssprecher, Professor Heinz Lohmann. Viele namhafte Gesundheitsanbieter und Servicepartner hätten ihren Sitz in Hamburg und Umgebung.

Mit der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und der Techniker Krankenkasse (TK) säßen obendrein zwei der drei größten gesetzlichen Krankenkassen an der Alster. "Das bedeutet: Sie können hier unheimlich innovativ arbeiten. Wenn Sie eine Kasse von einem neuen Versorgungsmodell überzeugen wollen, können Sie das direkt beim Vorstandschef um die Ecke machen."

Ein weiterer Vorteil Hamburgs sei, so Lohmann, dass das Thema Gesundheitswirtschaft hier maßgeblich von den Gesundheitsunternehmen vorangetrieben wird. "Wirtschaftsinteressen entwickeln sich besser, wenn Unternehmen dahinter stehen." Initiativen, bei denen ausschließlich "Staatsknete" im Spiel sei, könnten schnell Schiffbruch erleiden. "Nämlich dann, wenn der Geldbeutel leer ist", sagt er.

Gesundheitsmetropole Nummer eins

"Hamburg ist mit Sicherheit die Gesundheitsmetropole Nummer eins in Deutschland", schwärmt Rudi Schmidt, Sprecher der privaten Klinikkette Asklepios, die in Hamburg eigenen Angaben zufolge jeden zweiten Krankenhauspatienten medizinisch versorgt.

In keiner anderen deutschen Stadt würden so viele junge Auszubildende in der Gesundheitswirtschaft lernen wie in Hamburg.

Und nirgendwo sonst in der Republik sei das Netz an Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen so engmaschig gespannt wie in der Hansestadt, lässt Rudi Schmidt keinen Zweifel.

Weitere Informationen bei der Handelskammer: www.hk24.de

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