Ärzte Zeitung online, 18.09.2008

Diabetes-Patienten fühlen sich verunsichert

KASSEL (mwo). Mehr Selbstbestimmung für die Patienten hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) gefordert. Die bundesweit sieben Millionen diagnostizierten Diabetes-Kranken seien so verunsichert wie noch nie, sagte der DDB-Bundesvorsitzende Heinz Windisch am Donnerstag im Vorfeld des deutschen Diabetikertages in Kassel.

Zu der Großveranstaltung unter dem Motto "Selbstbestimmtes Leben mit Diabetes … Für alle?" erwartet der DDB am Samstag über 6000 Besucher.

Windisch warf der Politik aber auch den Krankenkassen vor, die Reihenfolge von Qualität und Wirtschaftlichkeit umzudrehen. Darauf deuteten auch die jüngsten Untersuchungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hin. Es sei abwegig und zynisch zu vermuten, Diabetiker würden Blutzuckerteststreifen verschwenden und sich aus "Lustgewinn" möglichst oft in den Finger stechen.

Bei den Insulinanaloga reiche der erreichte Kompromiss für Kinder und bereits eingestellte Patienten nicht aus, betonte Windisch. Gemeinsam mit dem Patienten müsse "der Arzt vor Ort die Entscheidung treffen können, welche Insuline er dem Patienten verordnet." In keinem anderen Land Europas gebe es darüber eine Diskussion wie in Deutsch land.

Teuer, so Windisch, seien vor allem die Folgeerkrankungen des Diabetes, wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen. Nach Einschätzung der Krankenkassen selbst seien diese Kosten dreimal so hoch wie die Behandlungskosten für Diabetes. DDB-Schatzmeister Jens Pursche kritisierte in diesem Zusammenhang auch die unzureichende Unterstützung der Selbsthilfegruppen.

Energisch wehrte sich Pursche gegen den Vorwurf der Industrienähe. Mit dem Jahresabschluss 2007 werde der DDB seine Zahlen erstmals auch veröffentlichen, kündigte der Schatzmeister an. Weniger als fünf Prozent des Jahresetats von 350 000 Euro stammten von der Pharmaindustrie. Eine Großveranstaltung wie der Diabetikertag mit Kosten von 500 000 Euro sei daraus allerdings nicht zu stemmen, betonte Pursche. Die Industrie bekomme im Gegenzug für ihre Unterstützung lediglich Standflächen zur Verfügung gestellt. "Einfluss auf das Programm hat die Pharmaindustrie niemals", sagte Pursche.

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