Ärzte Zeitung online, 30.09.2008

Absurdes Lob im Web für Nahrungsergänzungsmittel

DÜSSELDORF (run). Eine Internet-Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigt: In Meinungsforen im Web wird heftig für Nahrungsergänzungsmittel getrommelt. Dabei werden die oft absurden Beiträge häufig von Verkäufern selbst verfasst.

Für ihre die Stichprobe sichteten die Düsseldorfer Verbraucherschützer jeweils drei aktuelle ”Testberichte” zu zehn verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln auf den beliebten Bewertungsportalen Ciao, Dooyoo und Yopi. Ins Visier gerieten so insgesamt 30 Berichte zu Aloe Vera Gels, zu Vitamin- und Mineralstoffpräparaten. Das besondere dabei: Alle Mittel werden im so genannten Multi-Level-Marketing (MLM) vertrieben. MLM-Firmen setzen als Verkäufer vielfach Laien ein, die nicht nur die Produkte selbst verbrauchen, sondern darüber hinaus auch stets auf Jagd nach neuen Kunden und Mitarbeitern sind, da ein pyramidenartiges Verdienstsystem sie am Gewinn teilhaben lässt.

In der Auswertung war jeder zweite Autor Verkäufer

Die Werbemethoden sind dabei oft zweifelhaft, wie die Auswertung der Verbraucherzentrale ergab: Jeder zweite Autor in den Meinungsportalen outete sich offen als Verkäufer (fünf Berichte) oder offerierte zumindest weitere Informationen zum Produkt oder dessen Bestellmöglichkeiten (zehn Berichte). Die Verbraucherschützer wundert es daher nicht, dass von den 30 überprüften Produktbewertungen nicht weniger als 26 mit irregulären und absurden Werbeaussagen aufwarteten.

Da schwanden etwa chronische Schmerzen (Fußbereich), offene Beine waren nach drei Monaten konsequenter Einnahme von "Juice Plus" verheilt. Die Pillen des US-Herstellers National Safety Associates (NSA AG) wurden zum "wunderbaren Segen eines Gesundbrunnens”.

Andere Autoren fabulierten, dass die NSA-Kapseln mit ihrem Mix aus Obst und Gemüse gegen Schuppenflechte und Tinnitus wie gegen ”hohen Blutdruck” geholfen hätten. Und "Nutrilite Double X” von Amway habe nach einem Herzinfarkt alle Werte innerhalb von "drei Monaten wieder in den grünen Bereich gebracht”. Ein Aloe Vera Gel von LR-International wiederum besiegte ein Schilddrüsenleiden.

Verbraucherschützer ärgern sich über die rechtliche Grauzone

Was dabei die Verbraucherschützer besonders ärgert: Während Hersteller und gewerbliche Händler mit solchen Aussagen gegen das Verbot krankheitsbezogener Werbung verstoßen würden, glaubten die Berichterstatter in den Internetforen jedoch offenbar ungehindert schwadronieren zu können. "Sie agieren in einer Grauzone, entziehen sich weitgehend der Lebensmittelüberwachung und werden bisher nicht behelligt”, kritisiert Ernährungsexpertin Angela Clausen.

Clausen verweist dabei auch auf ein Urteil des Oberlandesgericht Köln (Az.: 6 U 149/07). Dieses hat im Februar 2008 entschieden, dass MLM-Unternehmen für fehlerhafte und übertriebene Werbung auf der Homepage ihrer Vertriebspartner haften. Ein Urteil, das nach ihrer Meinung auch für Aussagen in Internetforen gelten sollte, wenn offensichtlich am Vertrieb Beteiligte oder an steigenden Verkaufszahlen Interessierte die Gesetze hier umgehen wollen.

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