Ärzte Zeitung online, 08.10.2008

CSU nominiert Seehofer - "Ich muss meinen eigenen Stil entwickeln"

MÜNCHEN (dpa). Nach einem tagelangen Machtpoker will die CSU-Landtagsfraktion in München heute  Horst Seehofer als neuen bayerischen Ministerpräsidenten nominieren. Seehofer soll beide Spitzenämter in Bayern - den CSU-Vorsitz und den Posten des Regierungschefs - übernehmen.

Der 59 Jahre alte Bundesagrarminister beerbt damit die Doppelspitze aus Ministerpräsident Günther Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber. Beide hatten wegen des CSU-Debakels bei der Landtagswahl am 28. September ihren Rückzug angekündigt. Seehofers Konkurrenten, Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Innenminister Joachim Herrmann, hatten am Dienstag ihre Bewerbungen zurückgezogen.

Seehofer soll nach seiner Nominierung durch die CSU-Fraktion am 27. Oktober vom Landtag als neuer Ministerpräsident gewählt werden. Er sagte dem in Ingolstadt erscheinenden "Donaukurier" (Mittwoch), er sehe dann seinen Platz in München und werde bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht CSU-Spitzenkandidat. "Ich werde kein Job-Hopping betreiben und für die beiden Ämter kandidieren, um dann wenige Monate später schon wieder für etwas Neues bereitzustehen."

Der CSU-Politiker räumte ein, dass der seinen neuen Aufgaben mit gemischten Gefühlen entgegensieht: "Freude und Nervosität halten sich im Moment bei mir die Waage. Freude, dass man wohl die Ehre hat, beide wichtigen Ämter in Bayern auszuüben. Nervosität, weil ich die gigantische Aufgabe sehe, die in beiden Funktionen auf mich zukommt, wenn mich die CSU-Landtagsfraktion und der CSU-Parteitag wählen.

Mit Blick auf den früheren CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sagte Seehofer der Zeitung: "Auf den Rat von Edmund Stoiber und anderen werde ich natürlich immer achten. Aber ich muss, wenn es denn so kommt wie heute beschlossen, meinen eigenen Stil und mein eigenes Profil entwickeln."

Weiter offen ist derweil nach den ersten Sondierungsgesprächen mit der FDP und den Freien Wählern (FW), mit wem die CSU eine Koalition bilden will. Darauf ist sie nach ihrem Desaster bei der Landtagswahl erstmals seit fast 50 Jahren angewiesen. Es gebe mit beiden Parteien eine "Basis für eine Zusammenarbeit", sagte der noch amtierende Parteivorsitzende Erwin Huber am Dienstagabend nach einem Gespräch mit Vertretern der Freien Wähler. Das weitere Vorgehen werde nun in den CSU-Gremien beraten.

In der vergangenen Woche hatte sich die CSU-Spitze bereits mit Vertretern der FDP getroffen. Sie gilt als wahrscheinlicher Koalitionspartner. Bereits an diesem Donnerstag soll ein weiteres Gespräch mit der FDP folgen.

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