Ärzte Zeitung, 16.10.2008

Warum ist Gendoping eigentlich gefährlich?

Deutscher Olympischer Sportbund verbreitet Info-Broschüre für Nachwuchssportler / Medizinische Details in verständlicher Sprache

FRANKFURT/MAIN (Smi). Wie funktioniert die Gentherapie? Das Schweizer Bundesamt für Sport hat eine Informationsbroschüre zum Thema Gendoping herausgegeben, die auch von deutschen Institutionen verbreitet wird, um Sportler hierzulande über das komplexe Thema sachlich aufzuklären.

Bestimmen die Gene oder bestimmt das Training den sportlichen Erfolg? Wo liegen die Gefahren einer genetischen Manipulation? Das sind weitere Fragen, die in der Broschüre beantwortet werden.

Athleten haben unterschiedliche genetische Voraussetzungen - eine Wahrheit, die Generationen lang geleugnet wurde. Bei dem ehemaligen finnischen Skilangläufer Eero Mäntyranta, in den 1960er Jahren mehrfacher Goldmedaillengewinner bei Olympischen Winterspielen, entdeckte man 1993 eine Punktmutation im Gen für den Erythropoetin-Rezeptor, weshalb sein Körper vermehrt rote Blutkörperchen bildet. Der Berliner Pädiater Professor Markus Schülke berichtet von einem Jungen, der im Jahr 2000 zur Welt kam und über Muskelpakete wie kein anderes Neugeborenes verfügte. Es stellte sich heraus, dass die Ursache hierfür ebenfalls eine Genmutation ist: Der Körper des Jungen produziert kein Myostatin.

Über jene Beispiele natürlicher Genmutationen nähern sich die Autoren der Infobroschüre den möglichen Ansatzpunkten für eine bewusste Leistungsmanipulation auf genetischer Ebene. Dabei bleiben sie immer konkret. Die Autoren führen etwa Beispiele von Basketballspielern an, die an der Marfan-Krankheit litten und die nach einem Riss der Aorta verbluteten. Das Einschleusen von Genen, so ihr Fazit, birgt Gefahren, die heute noch gar nicht einzuschätzen sind.

Es sind die konkreten Beispiele sowie die Tatsache, dass die medizinischen Sachverhalte in einer verständlichen Sprache erläutert werden, die die Broschüre zu einer vorbildlichen Aufklärungsfibel zum Thema Gendoping machen. Kein Wunder also, dass die deutsche Nationale Anti Doping Agentur (NADA), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sowie das Bundesinnenministerium das von Schweizer Experten entwickelte Kompendium zur Aufklärung junger Sportler einsetzen.

Die Informationsbroschüre Gendoping kann beim Deutschen Olympischen Sportbund unter presse@dosb.de angefordert werden.

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