Ärzte Zeitung, 23.10.2008

Beipackzettel werden patientenfreundlicher

Große Schrift, Info-Kästen, Fotos und verständliche Sprache - Aktionsbündnis stellt neues Konzept vor

BERLIN (gvg). Unübersichtlich und kaum verständlich: Viele Beipackzettel verwirren Laien eher, als dass sie informieren. Jetzt haben Patientenorganisationen zusammen mit dem Unternehmen Pfizer ein Konzept für einen patientenfreundlichen Beipackzettel vorgelegt (wie kurz berichtet).

Der neue Beipackzettel zu Fragmin® enthält auch Fotos mit der richtigen Injektionstechnik.

Foto: Pfizer

"Mit vielen Formulierungen auf den heute gängigen Beipackzetteln können Patienten rein gar nichts anfangen", bestätigte Ludwig Hammel, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew. Heutige Beipackzettel seien gleichzeitig zu vage und zu detailliert, sie quöllen über vor Fachbegriffen und verwendeten eine kaum lesbare Schriftgröße. Zusammen mit Pfizer haben die Vertreter von mehreren Patientenorganisationen deswegen einen patientenfreundlichen Beipackzettel entwickelt.

"Die Neuerungen betreffen sowohl Layout als auch Inhalt", hat Christina Claußen, Director Patient Relations bei Pfizer, auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Berlin berichtet. So wurde statt der üblichen Schriftgröße 6.0 die deutlich größere Schriftgröße 8.5 gewählt. Die neuen Beipackzettel sind außerdem farblich gestaltet. Sie verfügen über Info-Kästen, etwa zu Applikation oder Entsorgung, und über praxisbezogene Warnhinweise, zum Beispiel zur maximalen Tagesdosis. "Solche wirklich wichtigen Informationen werden heute oft überlesen", so Hammel.

Auch sprachlich wird einiges anders gemacht: Medizinische Fachbegriffe, die sich an Ärzte richten, stehen nur in Klammern. So wird etwa bei den Wechselwirkungen über "Medikamente, die zur Behandlung von Rheuma, Schmerzen oder Entzündungen eingenommen werden" gesprochen. Der Terminus "nicht-steroidale Antirheumatika" folgt in Klammern. "Unsere klare Maxime lautete: Zuerst der Patient, denn für ihn ist der Beipackzettel gemacht", so Claußen.

In einem ersten Schritt wurden jetzt acht Beipackzettel von Pfizer-Produkten entsprechend umgearbeitet. Zum Teil hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits grünes Licht gegeben. So wird etwa das niedermolekulare Heparin Fragmin® demnächst mit neuem Beipackzettel gefertigt. Er enthält auch Fotos zur richtigen Injektionstechnik.

Die Vertreter der Selbsthilfe und der Patientenorganisationen betonten bei der Vorstellung des neuen Beipackzettels, dass sie alles dafür tun wollen, möglichst viele Unternehmen und auch die zuständigen Behörden mit ins Boot zu holen, um das Projekt auf breitere Füße zu stellen. Einfacher wird das bei Medikamenten mit nationalen Zulassungen sein, denn hier sind nur die deutschen und nicht auch noch die europäischen Behörden zuständig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »