Ärzte Zeitung online, 24.10.2008

Healthcare Frauen ebnen weiblichen Führungskräften den Weg nach oben

BERLIN (eb). Vor gut einem Jahr haben sieben Managerinnen in Top-Positionen des deutschen Gesundheitsmarkts unter dem Namen "Healthcare Frauen" einen Verein gegründet, der Frauen in Führungspositionen eine Plattform bieten soll. Dabei geht es ausdrücklich auch darum, dem weiblichen Nachwuchs den Weg in die Führungsetagen des deutschen Gesundheitswesens zu ebnen.

Frauen sind weder als Ärztinnen noch als Patientinnen im Medizinbetrieb gleichberechtigt. Zu diesem Schluss kam die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité, Professor Vera Regitz-Zagrosek auf der jüngsten Veranstaltung der Healthcare Frauen. Hinsichtlich der Karrieren belegen dies bereits einige schlichte Zahlen eindrücklich: Sind aktuell 63 Prozent aller Studienanfänger in der Humanmedizin Frauen, sind es in der Gruppe der Oberärzte nur noch 28 Prozent. Ihr Anteil reduziert sich bei den leitenden Ärzten weiter auf zehn Prozent, um im Olymp der C4-Professuren in der Medizin bei mageren drei Prozent zu dümpeln. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich ziemlich weit hinten. Und selbst da wo Frauen im Medizinbetrieb leitende Positionen erreicht haben, sind sie nicht gleichberechtigt. So liegt das Gehalt eines Chefarztes im Durchschnitt bei 290 000 Euro, bei einer Chefärztin sind es lediglich 189 000 EUR.

Am Beispiel der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte Regitz-Zagrosek, dass Frauen auch als Patientinnen nicht gleichberechtigt und vor allem nicht adäquat behandelt werden und dass, obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen die häufigste Todesursache darstellen. Obwohl sie häufiger nach einem akuten Herzinfarkt versterben als ihre männlichen Leidensgenossen, erhalten sie weniger Interventionen und Thrombolytika als männliche Herzinfarktpatienten. Aber selbst, wenn Herzinfarktpatientinnen entsprechende Medikamente erhalten, sterben sie häufiger als ebenfalls behandelte Männer. Dies mag auch daran liegen, dass die Präparate überwiegend an männlichen Probanden entwickelt werden. Darüber hinaus gibt es beim Herzinfarkt von Frauen Phänomene, die deutlich vom männlichen Herzinfarkt abweichen und sich noch nicht hinreichend wissenschaftlich erklären lassen.

www.healthcarefrauen.de

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