Ärzte Zeitung, 29.10.2008

Ärztemangel führt zu Wartelisten

Deutliche Rationierungserscheinungen in den Krankenhäusern

BERLIN (HL). Der Ärztemangel in den Kliniken verschärft sich. Binnen zwei Jahren hat sich die Zahl unbesetzter Arztstellen auf 4000 verdreifacht. Jede sechste Klinik hat deshalb Wartelisten für Patienten eingeführt oder ausgebaut.

Das sind die Ergebnisse des gestern vom Deutschen Krankenhaus-Institut (DKI) in Berlin vorgestellten Krankenhaus-Barometers, einer Repräsentativumfrage, die von April bis Juli 2008 stattgefunden hat.

Ärztemangel ist danach kein Problem mehr, das sich im Wesentlichen auf die neuen Bundesländer beschränkt. In Westdeutschland hat sich der Anteil der Kliniken mit offenen Arztstellen binnen zwei Jahren auf gut 65 Prozent fast verdreifacht. In den neuen Ländern melden 81 Prozent der Krankenhäuser offene Arztstellen.

Die gravierendste Folge seien Probleme mit der Arbeitszeitorganisation. Weil dies nicht funktioniert, hat ein Drittel der Krankenhäuser die Patientenversorgung eingeschränkt. Ein Sechstel hat Wartelisten neu eingeführt oder ausgebaut. Weil Ärzte fehlen, haben acht Prozent der Krankenhäuser ganze Stationen geschlossen. Dazu Rudolf Henke vom Marburger Bund: "In Deutschlands Krankenhäusern herrscht Alarmstufe Rot." Bei den im November anstehenden Beratungen zur Krankenhausfinanzierung müssten die Mittel für die stationäre Versorgung deutlich aufgestockt werden.

Für das laufende Jahr erwarten die befragten Kliniken eine noch schwierigere wirtschaftliche Situation: 34 Prozent (Vorjahr: 29,6 Prozent) rechnen mit einem Fehlbetrag, der Anteil der Krankenhäuser mit einem Jahresüberschuss sinkt von 52 auf 32 Prozent.

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