Ärzte Zeitung, 13.11.2008

15,5 Prozent - das reicht auf mittlere Sicht

Anders als die Krankenkassen halten die Wirtschaftsweisen den neuen Einheits-Beitrag von 15,5 Prozent für ausreichend. Passable Noten erhält auch der neue Morbi-RSA.

Von Helmut Laschet

Bert Rürup, Chef der Wirtschaftsweisen, überreichte gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel das Jahresgutachten.

Foto: dpa

BERLIN. Massive Schützenhilfe leistet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage den niedergelassenen Ärzten. Er kritisiert die Fehlanreize der gegenwärtigen Krankenhausfinanzierung und schlägt ein System differenzierter Aufschläge auf die Fallpauschalen für die Krankenhäuser vor.

Folge: Für die Kassen würde damit Krankenhausbehandlung teurer. Aber nur so sei Wettbewerbsneutralität zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten möglich. Die Konsequenz gegenwärtig existierender "Unterschiede in den sektoralen Vergütungssystemen ist, dass es derzeit zwischen den unterschiedlichen Versorgungsformen keinen Wettbewerb mit gleich langen Spießen gibt", schreiben die fünf Weisen.

Deshalb müssten die Vergütungssysteme harmonisiert werden. Die Höhe der Honorierung sollte sich dabei am Morbiditätsgrad des jeweiligen Behandlungsfalls orientieren. Damit könnten sektorale Budgets überwunden werden. Es könnten sich regional differenzierte Versorgungsstrukturen herausbilden, in denen die traditionelle Einzelpraxis ebenso einen Platz haben werde wie medizinische Versorgungszentren, Portalkliniken oder Allgemeinkrankenhäuser und hochspezialisierte Kliniken.

Den von der Bundesregierung vor zwei Wochen festgesetzten GKV-Einheitsbeitragssatz von 15,5 Porzent halten die Sachverständigen im Unterschied zu den Krankenkassen für ausreichend. Die höhere Belastung von Versicherten und Arbeitgebern resultiere nur zum geringen Teil aus dem Fonds, zum größeren Teil aus höheren Ausgaben.

Gleich lange Spieße für Ärzte und Kliniken.

2009 werde der Beitragssatz die GKV-Ausgaben vollständig decken, auf mittlere Sicht sollte dieser Beitrag selbst bei einer weniger dynamischen Entwicklung der Einnahmen zunächst auf seinem beschlossenen Niveau verharren.

Als wichtigsten nächsten Reformschritt mahnen die Wirtschaftsweisen Korrrekturen beim Zusatzbeitrag an: er müsse als Pauschale ausgestaltet werden; die Überforderungsklausel müsse entfallen. Längerfristig sollte auf ein einkommensunabhängiges Prämienmodell umgestellt werden.

Alles in allem gute Noten erhält der neue morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich. Die Möglichkeiten, potenzielle Gewinne aus einer Risikoselektion zu ziehen, seien begrenzt. Alles in allem werde das Interesse an "gesunden Kranken" wachsen; bewerkstelligt werden könnte dies durch spezielle Leistungsangebote und Versorgungsmodelle gemeinsam mit Ärzten. Insofern gebe es auch Anreize zur Sekundärprävention, mit der eine kostenträchtige Verschlechterung des Gesundheitszustandes bereits Kranker vermieden wird. Das Missbrauchspotenzial durch Upcoding halten die Ökonomen für gering.

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