Ärzte Zeitung online, 13.11.2008

Party-Abend ohne Brust-Op - dafür nun mit Gutschein für ähnliche Eingriffe

NEU-ISENBURG (bee). Zunächst hörte es sich wie ein schlechter Gag an: Wer im Bikini einen Luftballon zerbeißt, kann in einer Disko in Celle eine Brust-Op in Polen gewinnen. Jetzt hat sich nach massiver Kritik und einer Abmahnung der Gewinn geändert: Es gibt einen Gutschein über 3700 Euro - für ähnliche Eingriffe in ähnlichem Ambiente.

Eine große Party sollte es werden und am Ende geht eine "glückliche" Gewinnerin mit der Aussicht auf eine Brust-Op nach Hause: "Weil viele sich Schönheitsbehandlungen nicht leisten können", so die Webseite des Veranstalters, sollte der Eingriff verlost werden.

Wie berichtet, plante der Veranstalter in Celle zunächst eine Internetabstimmung und einen mehrteiligen Wettbewerb in der Diskothek am 22. November. Hauptgewinn sollte eine Brust-Op im polnischen Posen sein. Der Termin für den Eingriff - so war es versteckt in den Teilnahmebedingungen zu finden - stand schon weit vor dem Wettbewerb fest: Gut eine Woche nach dem Abend in der Disko sollte es mit einer Limousine und der Chefin einer Schönheitsagentur nach Polen gehen.

Doch daraus wird zunächst nichts: Die Wettbewerbszentrale, eine Selbstkontrollinstitution der deutschen Wirtschaft, hat den Betreiber der Diskothek sowie die Vermittlungs-Agentur, abgemahnt. Begründung: "In Deutschland darf für Operationen nicht mit Preisausschreibungen oder Verlosungen geworben werden". Auch die Landesärztekammer Niedersachsen hatte bereits vergangene Woche in einer Mitteilung auf diese rechtliche Seite hingewiesen. Außerdem bezeichnete Kammerpräsidentin Martina Wenker den Wettbewerb "als absolut verantwortungslos." Wenker sagte weiter: "Solch ein Marketing verklärt die Risiken eines chirurgischen Eingriffs."

Statt der Operation will die Disko nun einen Schönheitsgutschein in Höhe von 3700 Euro verlosen, der laut Webseite des Veranstalters für "Wimpern-Verlängerungen" oder "Profi-Make-Ups" einsetzbar ist. Einlösbar ist der Gutschein bei der Schönheitsagentur "Du bist schön", die sich laut ihrer Internetseite mit dem Ziel gegründet hat, "Schönheitsoperationen nach Polen zu günstigen Preisen zu vermitteln".

Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) nimmt daher an, dass die Gewinnerin den Beauty-Gutschein auch für Schönheitsbehandlungen wie Face-Liftings in Polen einsetzen könnte. "Die Teilnehmerinnen begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse", warnt Professor Christian Gabka von der DGPRÄC. Er nimmt an, dass die Bewerberinnen ohnehin eine chirurgische Korrektur wünschen. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, dass weiterhin die Risiken eines chirurgischen Eingriffes von dem Veranstalter nicht herausgestellt werden. "Außerdem fehlt jeglicher Hinweis, wie, wo und von wem die Patientinnen nachbehandelt werden", so Gabka.

Im Gästebuch der Agentur-Webseite gingen kurz vor dem Bekanntwerden des Wettbewerbs zwei positive Einträge ein. Beide sprachen von "guter Beratung durch die Ärzte", "Ausrüstung auf dem neuesten Stand" und "die Preise sind günstig". Ein Zufall?

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