Ärzte Zeitung, 18.11.2008

Bundesweit Proteste an mehr als 1000 Kliniken

MB-Chef Henke: "Wir kämpfen für eine gute Patientenversorgung" / In Bremen legen Klinikmitarbeiter den Verkehr lahm

KÖLN/BREMEN (iss/cben). Wenn die Finanzausstattung der Kliniken nicht endlich auf eine solide Grundlage gestellt wird, lässt sich eine deutliche Verschlechterung der Patientenversorgung nicht mehr vermeiden. Darauf haben gestern Vertreter von Ärzteschaft und Pflegepersonal bundesweit aufmerksam gemacht.

"Wir sind keine Egoisten, die für sich kämpfen, sondern wir kämpfen dafür, dass wir die Patienten so versorgen können, wie wir es gelernt haben", sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes Rudolf Henke bei der zentralen Kundgebung des Aktionsbündnisses "Rettung der Krankenhäuser" in Köln.

Die Politik sollte die Aktionen an rund 1000 Häusern bundesweit als Signal verstehen, den Kliniken endlich die benötigte Finanzspritze zu gewähren. "Folgen Sie nicht dem GKV-Spitzenverband, der noch einmal 1,3 Milliarden Euro aus dem Krankenhaussektor herausholen möchte", appellierte Henke an die Bundestagsabgeordneten, die noch endgültig über die Reform der Krankenhausfinanzierung abstimmen müssen.

Die Pflege geht am Stock. Das machten diese Klinikmitarbeiter bei der zentralen Kundgebung in Köln symbolisch deutlich.

Foto: iss

"Der entsetzliche Budgetdeckel muss endlich weg, wir brauchen eine vernünftige Finanzierung für die Krankenhäuser", forderte der Vizepräsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery. Unter großem Einsatz und mit viel Kraft ihres Personals hätten die Kliniken in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht.

Jetzt sei die Politik an der Reihe. "Wenn unser Protest nichts nutzt, müssen wir eventuell zu noch ganz anderen Maßnahmen greifen", drohte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Rudolf Kösters.

In Bremen haben etwa 40 Mitarbeiter des Klinikums Mitte dafür protestiert, dass die Bundesregierung die kompletten Steigerungen der Personalkosten übernimmt. Sie haben einen meterlangen Schriftzug mit der Aufschrift "Rettet die Krankenhäuser" entrollt. Marlene Henrici vom Betriebsrat sagte der "Ärzte Zeitung": "Wir sind schon etwas protestmüde nach dem großen Erfolg in Berlin aber wir geben nicht auf."

Die Mitarbeiter sperrten in Bremen gestern mittag eine große Kreuzung mitten an dem am Krankenhaus angrenzenden Viertel und machten lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. Dabei hatten sie ungefähr zehn Krankenhausbetten, auf denen sie Transparente angebracht hatten, mit Appellen wie "Kliniken ohne Personal - das ist Körperverletzung".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »