Ärzte Zeitung, 15.12.2008

Marburger Bund will neun Prozent mehr Gehalt an Universitätskliniken

Auftakt zur Tarifrunde 2009 / Nachtarbeit soll besser vergütet werden

BERLIN (ble). Zum Auftakt der Tarifrunde 2009 fordert die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) für die Ärzte an Deutschlands Universitätskliniken durchschnittlich neun Prozent mehr Gehalt.

Für Assistenzärzte will der MB dabei neun, für Fach- und Oberärzte acht Prozent mehr Gehalt durchsetzen, so MB-Chef Rudolf Henke gestern bei der Vorstellung der Ziele seiner Gewerkschaft für die kommende Tarifauseinandersetzung.

"Mit unserer Forderung wird keine Universitätsklinik überfordert. Das gilt auch in den gegenwärtigen Zeiten der Finanzkrise und der Wirtschaftskrise in einzelnen Branchen", sagte er. Die Unikliniken müssten ihren Ärzten wettbewerbsfähige Gehälter zahlen, wenn sie internationale Champions sein wollten. "Sonst organisieren sie die Abwanderung der qualifizierten Fachkräfte aus einem für sie unattraktiven Umfeld."

MB will Gehälter im Osten ans Westniveau angleichen.

Insgesamt verhandelt der MB für rund 22 000 angestellte Ärzte in 14 von 16 Bundesländern. Ausnahmen sind Berlin mit Europas größter Uniklinik Charité und Hessen. Dort gibt es für rund 5000 Mediziner eigene artspezifische Tarifverträge, die von dieser Runde nicht betroffen sind. Zudem gibt es bundesweit etwa 3000 beamtete Ärzte, für die der MB die Übernahme eines Tarifergebnisses fordert.

Nach MB-Angaben verdient ein Assistenzarzt (Stufe 1) in den alten Bundesländern derzeit 3705 Euro. Helios zahlt seinen Assistenzärzten ab Mai 2009 3990 Euro. Ein Facharzt (Stufe 1) verdient 4890 Euro, ein Kollege in den Niederlanden 6628 Euro, in Norwegen sind es sogar 7840 Euro.

Außer höheren Gehältern will der MB auch höhere Zeitzuschläge für Überstunden, Samstag- und Nachtarbeit. So gebe es für Nachtstunden derzeit nur 1,28 Euro oder 4,8 Prozent pro Stunde mehr. Der MB fordert jetzt für Samstagsarbeit zwischen 13 und 21 Uhr sowie Nachtarbeit einen Zuschlag von 25 Prozent, statt bisher 15 Prozent soll es für Überstunden künftig einen Zuschlag von 30 Prozent geben. Henke: "Wer Ärzten einen Nachtarbeitszuschlag von 1,28 Euro je Stunde zumutet, darf sich nicht wundern, wenn man das als Ausbeutung betrachtet."

Schließlich will die Gewerkschaft die Gehälter im Osten an das Westniveau angleichen. 18 Jahre nach der deutschen Einheit gehöre die Schere zwischen West und Ost "in den Abfalleimer der Geschichte", so Henke. An kommunalen und privaten Kliniken sei dies bereits der Fall.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »