Ärzte Zeitung, 18.12.2008

Wie wirkt sich ein regionales Budget in der Psychiatrie aus?

Im Landkreis Steinburg in Schleswig-Holstein wird seit 2002 ein Versorgungskonzept erprobt, das bundesweit auf großes Interesse stößt

ITZEHOE (di). Das regionale Budget in der Psychiatrie wird ausgeweitet: Neben neuen Regionen werden nun auch die niedergelassenen Ärzte einbezogen. Inzwischen besteht bundesweites Interesse.

Wer Fälle bezahlt, bekommt auch Fälle geliefert: Diese Erfahrung der Kostenträger hat im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein zu einem Umdenken geführt. Seit fünf Jahren wird dort erprobt, wie sich ein regionales Budget in der Psychiatrie auswirkt: Die Kassen zahlen eine Gesamtsumme, die sich am Jahresbudget 2002 für die voll- und teilstationäre Versorgung und an den Erlösen der Institutsambulanzen orientiert.

Im Gegenzug übernehmen die Leistungsanbieter die komplette psychotherapeutische Versorgung für alle Patienten der Region und entscheiden selbstständig über die Verteilung der Mittel. Ob und wie lange ein Patient stationär, teilstationär oder ambulant behandelt wird, liegt ausschließlich in der Hand der Leistungsanbieter.

Leistungserbringer entscheiden über Mittel-Verteilung.

"Wir bekommen für die Gesundheit der Menschen bezahlt und liefern Gesundheit", beschreibt der Projektverantwortliche Professor Arno Deister die dahinter stehende Idee. In der ersten Modellphase wurde das Prinzip noch ohne die niedergelassenen Ärzte erprobt. Das soll sich nun ändern. In einer Arbeitsgruppe, an der niedergelassene Ärzte, KV und Berufsverband der Nervenärzte beteiligt sind, wird derzeit über die Modalitäten gesprochen. Verhandelt wird über die Budgetbereinigung, da Mittel aus der Gesamtvergütung in das Regionalbudget verschoben werden müssen. Die Praxisinhaber bekommen dann die Leistungen nicht mehr über die KV, sondern über das Regionalbudget bezahlt. Über die Konditionen wird noch verhandelt.

Neben dem Kreis Steinburg, der 2003 als erste Region mit der Erprobung begonnen hat, haben inzwischen drei weitere Kreise aus Schleswig-Holstein das Modell übernommen. Insgesamt sind Kreise mit einer Einwohnerzahl mit über 700 000 Menschen einbezogen. Interesse besteht im gesamten Bundesgebiet, weitere Regionen wollen das Modell einführen.

Deister führt die breite Resonanz auch darauf zurück, dass Leistungsanbieter, Kostenträger und Politik das Modell unterstützen.

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