Ärzte Zeitung, 12.01.2009

Bei Krebspatienten ist Ehrlichkeit oberstes Gebot

Experten: Offenheit ist Grundlage für Vertrauensverhältnis

LEIPZIG (tra). Ehrlichkeit währt am längsten - das gilt besonders für die Kommunikation zwischen Arzt und Patient, meint Professor Matthias Volkenandt von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

"Das Gespräch ist die häufigste ärztliche Handlung", sagte er bei einer Patientenveranstaltung zum Thema Brustkrebs in Leipzig, zu der die Deutsche Krebsgesellschaft eingeladen hatte und die vom Arzneimittelhersteller Roche unterstützt wurde. Aus Patientensicht entscheidet die Kommunikation sogar über den Behandlungserfolg.

Ehrlichkeit erhält das Vertrauen im Sprechzimmer, meint Volkenandt. Sie vermeide Gespräche dieser Art: "Frau Müller, ich habe Ihnen seit fünf Jahren nicht die volle Wahrheit gesagt. / Herr Doktor, das macht nichts. Seit drei Jahren glaube ich Ihnen nicht mehr." "Fokussieren Sie nicht nur auf die Sachebene, die Beziehungsebene ist wichtiger", riet Volkenandt.

Bei Erstgesprächen über ungünstige Diagnosen hat sich die Anwesenheit von Verwandten oder einer Vertrauensperson der Patientin bewährt, denn im ersten Schock hörten Betroffene oft kaum zu. Volkenandt riet von Fachvorträgen oder Tipps ab. "Vorschnelle Ratschläge sind oft nichts als Schläge", lautet seine Einschätzung. Seine Kollegin Dr. Susanne Briest vom Brustzentrum der Universitätsfrauenklinik Leipzig plädierte für größtmögliche Verständlichkeit. "Man muss die Fakten so rüber bringen, dass die Patientin sie auch verarbeiten kann", sagte sie.

Das Aufklärungsgespräch müsse auf jeden Fall die Botschaften "Verständnis für schlimme Situation" und "Wir sind nicht hilflos" beinhalten, riet der Psychoonkologe Professor Reinhold Schwarz, von der Universität Leipzig.

"Fragen Sie Ihre Patienten, was sie sagen wollen oder verstanden haben", schlug Volkenandt vor. Fragen seien die "Königsdisziplin der Kommunikation".

Der Satz "Ich habe Angst vor der Bestrahlung" könne die Sorge vor Übelkeit, aber auch die Angst vor einem mangelnden Behandlungserfolg ausdrücken. Volkenandt ließ fehlende Zeit als Entschuldigung für misslungene Kommunikation nicht gelten. Denn: "Gute Gespräche dauern nicht länger als schlechte", sagte er.

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