Ärzte Zeitung online, 27.01.2009

Kulturrat: "Wissenschaftssprache Deutsch liegt im Sterben"

BERLIN (dpa). Die Wissenschaftssprache Deutsch liegt nach Ansicht des Deutschen Kulturrates "im Sterben". Diese Diagnose sei am Montagabend bei einer Anhörung des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik im Bundestag einmütig gestellt worden. Deutsch als Wissenschaftssprache verliere immer mehr an Bedeutung, teilte die Spitzenorganisation der Bundeskulturverbände am Dienstag mit.

Die deutsche Sprache, die sowohl in den Natur-, in den Ingenieur- als auch den Geisteswissenschaften einmal weltweite Geltung gehabt habe, habe in den Naturwissenschaften bereits heute so gut wie keine Bedeutung mehr. Nur noch ein Prozent der veröffentlichten naturwissenschaftlichen Beiträge erschiene in deutscher Sprache. Bei ausländischen Wissenschaftlern, die als Gäste nach Deutschland kommen, entstehe, wie in der Anhörung deutlich geworden sei, "immer mehr der Eindruck, dass Deutschkenntnisse nicht erforderlich sind, um in den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit den Kollegen kommunizieren zu können: Englisch reicht aus."

Selbst bei Tagungen in Deutschland sei zunehmend Englisch die alleinige Verkehrssprache, kritisierte der Kulturrat. "Geradezu absurd ist, wenn Professoren mit Muttersprache Deutsch ihre Studierenden mit ebenfalls Muttersprache Deutsch an deutschen Hochschule in Englisch unterrichten sollen." Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, meinte dazu am Dienstag, das Festhalten an der Wissenschaftssprache Deutsch habe "nichts mit Deutschtümelei oder gar Nationalismus zu tun". Es gehe vielmehr um die Sicherung der kulturellen Vielfalt und den Erhalt kultureller Eigenständigkeit.

Es sollte daher selbstverständlich sein, dass auch bei internationalen Tagungen hierzulande Deutsch eine der Verkehrssprachen ist. Ebenso müssten die Geisteswissenschaften, in denen Deutsch als Wissenschaftssprache noch eine größere Bedeutung habe, gestärkt werden.

www.kulturrat.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »