Ärzte Zeitung online, 28.01.2009

Deutsche Hochschulen: überfüllte Seminare und viele Abbrecher

HAMBURG (dpa). Nicht erst seit dem Konjunkturpaket II diskutiert die Politik über mehr Geld für die Bildung. Auch wenn die Bundesregierung Universitäten finanziell besser ausgestattet sehen will, überfüllte Seminare oder zu wenige Laborplätze plagen bislang die meisten Studenten.

In Deutschland gibt es rund 400 Hochschulen. Die meisten davon sind Fachhochschulen und Universitäten, außerdem bieten Kunst-, Verwaltungs-, theologische und Pädagogische Hochschulen ein Studium an. Zu Beginn des Wintersemesters 2008/2009 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,01 Millionen Frauen und Männer eingeschrieben. 385 500 Erstsemester starteten ein Studium, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Einschätzung von Experten ist die Zahl aber immer noch viel zu gering.

Zwar kommen jetzt geburtenstarke Abiturientenjahrgänge, doch insgesamt ist die Studienneigung der jungen Menschen deutlich zurückgegangen. Prognosen zufolge werden von 2014 an zwischen 180 000 und 490 000 Akademiker fehlen - insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler. Für jeden zweiten der rund 11 000 Studiengänge bestehen inzwischen örtliche Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus). Das mit dem neuen Studenten-Auswahlrecht der Hochschulen ausgelöste Wirrwarr mit Mehrfachbewerbungen führt dazu, dass zwischen 10 bis 15 Prozent der Studienplätze in Mangelfächern unbesetzt bleiben.

Die Situation an vielen Hochschulen sorgt ebenfalls für Kritik. Für die meisten Studierenden gehören überfüllte Seminare, zu wenige Laborplätze, mangelnde Betreuung und fehlende Bücher zum Alltag. Zugleich gilt die Bausubstanz vieler Hochschulen als marode. Seit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge klagen viele über zunehmende Verschulung, vollgestopfte Stundenpläne, Klausurenmarathon und Überforderung. Die Hoffnung auf weniger Abbrecher wurde bisher nicht erfüllt. Derzeit gibt nahezu jeder dritte Student vor einem Abschluss auf.

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