Ärzte Zeitung, 02.02.2009

Ärzte und Pflegekräfte verlassen Schützengräben

KBV und Pflegerat wollen Streit über delegierbare Leistungen entschärfen

BERLIN (hom). Kassenärztliche Bundesvereinigung und Deutscher Pflegerat wollen ihren Streit um eine Abgrenzung der Aufgaben zwischen Arztpraxen und Pflegeberufen begraben und die Debatte versachlichen.

Konkurrenz für ambulante Pflegedienste? Praxismitarbeiterin auf Hausbesuch bei einer 73-jährigen Diabetes-Patientin.

Foto: ddp

Noch in diesem Frühjahr würden beide Seiten zu ersten Expertengesprächen zusammenkommen, um strittige Fragen zu klären, sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Dr. Carl-Heinz Müller der "Ärzte Zeitung". Die Präsidentin des Pflegerates Marie-Luise Müller betonte: "Ziel ist, sachbezogen alle Fragen zur Neuordnung und Umverteilung der Aufgaben im ambulanten Sektor zu bearbeiten."

KBV und Pflegerat wollen zunächst ausloten, welche Leistungen an Praxismitarbeiter und Pflegekräfte delegiert werden können und wo es eventuell zu Schnittstellen kommt. Vertreter der Pflegeberufe sind in Sorge, dass ihre Kompetenzen durch arztentlastende Versorgungsmodelle wie AGNES oder VERAH beschnitten werden. KBV-Vize Müller wies dies als unbegründet zurück.

Gemeinsam weiterentwickeln wollen KBV und Pflegerat auch die im Zuge der Pflegereform möglich gewordenen Modellprojekte zur Übertragung heilkundlicher Aufgaben. "Bis Ende des Jahres wollen wir Vorbereitungen treffen, die eine Umsetzung der Modellvorhaben in 2010 ermöglichen", teilte Pflegerats-Chefin Müller mit.

KBV-Vize Müller erteilte Forderungen nach Substitution ärztlicher Leistungen erneut eine Absage. "Diagnose und Therapie sind und bleiben Aufgaben des Arztes."

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