Ärzte Zeitung, 17.02.2009

Jahrhundertaufgabe Demenz - der Hausarzt spielt die Hauptrolle

KV Berlin: Hausärzte bilden sich regelmäßig weiter / Mehr Hilfen für Angehörige

BERLIN (hom). Nach Einschätzung der Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Dr. Angelika Prehn, hat sich im Bereich der hausärztlichen Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen in den vergangenen Jahren sehr viel getan.

Das Interesse unter den Hausärzten an Fort- und Weiterbildungen zur Diagnose und zur Behandlung von Demenzerkrankungen sei nicht zuletzt auch durch die Zunahme der Krankheitsfälle "heute wesentlich höher als noch vor 20 Jahren", sagte Prehn der "Ärzte Zeitung".

In Deutschland sind derzeit rund 1,1 Millionen Menschen an Demenz erkrankt - die meisten von ihnen leiden an Morbus Alzheimer. Bis zum Jahr 2030, so vorsichtige Schätzungen, soll die Zahl der Betroffenen auf rund 1,8 Millionen Menschen ansteigen. Da der Hausarzt seine Patienten meist über viele Jahre hinweg begleite, komme gerade ihm bei der Diagnose eine entscheidende Rolle zu, betonte Prehn, die selber als Hausärztin tätig ist und in dieser Funktion auch Heimbewohner versorgt. Defizite sieht Prehn vor allem im Bereich der Betreuungs- und Hilfsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen. Hier bestehe Nachholbedarf.

Außerdem fehle es in vielen stationären Pflegeeinrichtungen an Personal, um dementiell erkrankten Bewohnern eine optimale Therapie und Betreuung anbieten zu können. Neben der ärztlichen Therapie gehörten Maßnahmen wie Musiktherapie, Bewegung, eine ausgewogene Ernährung ebenfalls zu einer optimalen Behandlung von Demenzkranken, betonte Prehn.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte zuletzt kritisiert, im Bereich der hausärztlichen Versorgung von Demenzkranken gäbe es noch Nachholbedarf. Hausärzte müssten so ausgebildet sein, dass sie eine Demenz frühzeitig erkennen und notwendige Therapieschritte rechtzeitig einleiten könnten.

Diesem Ziel dient unter anderem das Projekt "Leuchtturmprojekte Demenz", das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) noch bis Ende dieses Jahres mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert wird. Wertvolle Tipps zum Umgang des Hausarztes mit Demenz liefert auch eine Leitlinie, die von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erstellt worden ist (wir berichteten).

www.degam-leitlinien.de

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