Ärzte Zeitung online, 02.03.2009

Bildungsausschuss fordert Ende des Zulassungschaos an Hochschulen

BERLIN (dpa). Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), hat die Hochschulen aufgefordert, das anhaltende Chaos bei der Studieneinschreibung von Erstsemestern zu beenden.

Es sei nicht mehr hinzunehmen, dass in begehrten Numerus-clausus-Studiengängen "ein großer Teil der Anfängerplätze unbesetzt bleibt, weil einige Hochschulrektoren sich jetzt seit Jahren gegen ein bundesweit organisiertes Nachrückverfahren sträuben", sagte die SPD-Politikerin am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Burchardt: "Das Zieren der Hochschulrektorenkonferenz muss ein Ende haben. Und wenn die Länder das Problem nicht in den Griff bekommen, ist ein Bundesgesetz unvermeidlich."

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat für diesen Dienstag eine größere Zahl von Hochschulrektoren zu einem erneuten "Krisengespräch" nach Berlin eingeladen. Dabei soll über eine Übergangslösung für diesen Herbst gesprochen werden. Im Oktober werden an den Hochschulen wegen der Schulzeitverkürzung in einigen Bundesländern doppelte Abiturientenjahrgänge erwartet. Zugleich will Schavan mehr Hochschulen zur Teilnahme an dem ab 2010 geplanten bundesweiten Datenabgleich der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) gewinnen, mit dem künftig Doppeleinschreibungen von Studienanfängern an gleich mehreren Orten verhindert werden sollen.

Die Bildungsausschuss-Vorsitzende kritisierte scharf "das offensichtliche Desinteresse einiger Rektoren an einem bundesweit geordneten Verfahren". Mit dem Hochschulpakt habe der Bund den Ländern "viel Geld für zusätzliche Studienplätze überwiesen." Es sei paradox, wenn nun ausgerechnet in den begehrten Mangelfächern wegen "hausgemachter Probleme und eines bürokratischen Einschreib-Wirrwars an den Hochschulen Studienplätze unbesetzt bleiben".

Burchardt warf zugleich Bundesbildungsministerin Schavan schwere Fehler vor. Mit ihren "Krisengesprächen" begnüge sie sich offensichtlich damit, "das Chaos nur zu moderieren". Nötig seien aber klare Vorgaben. Weiteres Geld des Bundes für das angestrebte ZVS-System könne es nur dann geben, wenn die Hochschulrektorenkonferenz "garantiert, dass sich künftig alle Hochschulen auch an dem Datenabgleich beteiligen."

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