Ärzte Zeitung online, 02.03.2009

Ärzte fordern frühere Hilfen für Kinder in sozialer Armut

Köln (dpa). Sozialen und gesundheitlichen Problemen von Kindern in Armut muss nach Ansicht von Fachleuten mit einem umfassenden System früher Hilfen begegnet werden. "Kindergärten und Kindertagesstätten müssen die Defizite der Elternhäuser ausgleichen", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, in Köln.

Doch auch Jugendämter und Gesundheitsdienste müssten enger kooperieren, um diesen Kindern eine bessere soziale Prognose zu ermöglichen. Am Montag tagt in Berlin die Kinderkommission des Deutschen Bundestages zum Thema "Neue Konzepte früher Hilfen". Hartmann wird dort ein Konzept des Ärzteverbandes vorstellen, das Unterstützung für gefährdete Familien von der Schwangerschaft bis ins Vorschulalter vorsieht.

"Hilfe muss schon bei Schwangeren beginnen, deren schwierige soziale Situation erkannt wird", so Hartmann. Viele in Armut und problematischer Familiensituation lebende Frauen hätten Angst vor Stigmatisierung und scheuten sich daher, selbst nach Hilfe zu fragen. Niedrigschwellige Hilfsangebote würden jedoch fast immer angenommen.

Anschließend sei für viele Familien eine Betreuung durch Jugendämter und Gesundheitsdienste sinnvoll. Es fehle jedoch vielerorts noch die Zusammenarbeit der Institutionen und an entsprechend ausgebildetem Fachpersonal. Statt Verwaltungsfachleuten sollten die Jugendämter mehr Sozialpädagogen einstellen, forderte Hartmann.

Auch Kindergärten und Kinderkrippen könnten größere Bedeutung bekommen. Schließlich könnten viele Eltern ihren Kindern kein positives Rollenmodell mehr vermitteln: "Eine zunehmende Anzahl von Eltern ist mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert." Kindergärten müssten deshalb zu Bildungseinrichtungen werden. "Dort müssen bestimmte Grundfertigkeiten in Sprache, Motorik und sozialem Verhalten vermittelt werden."

Dies alles müsse bereits in den ersten Lebensjahren geschehen. Vielen Erziehern fehlten jedoch Kenntnisse über die frühkindliche Entwicklung. "Das zu ändern, kostet richtig Geld, aber es muss etwas passieren", sagte Hartmann.

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