Ärzte Zeitung online, 02.03.2009

Klare Zuständigkeiten für Hebammen gefordert

ERFURT (dpa). Der Deutsche Hebammenverband hat die Politik aufgefordert, die Arbeit von Familienhebammen besser zu regeln. Die strikte Trennung der Zuständigkeiten sei problematisch, sagte Verbandspräsidentin Helga Albrecht gegenüber dpa.

"Die Krankenkassen sind ausschließlich für die medizinischen Leistungen von Hebammen zuständig und dies in der Regel nur acht Wochen nach der Geburt eines Kindes." Familienhebammen leisteten jedoch auch Sozialarbeit und müssten über die Kinder- und Jugendhilfe bezahlt werden. "Dafür muss es aber auch zusätzliche Gelder geben", sagte Albrecht.

In Erfurt beschäftigt sich an diesem Montag eine Fachtagung mit der Arbeit von Familienhebammen. Nach mehreren spektakulären Fällen von Kindesmisshandlungen in den vergangenen Jahren war in der Politik und bei Fachleuten der Ruf nach Familienhebammen zur Unterstützung von Müttern in schwierigen Lebenslagen laut geworden. Die Hebammen sollen Risikofamilien regelmäßig aufsuchen, ihnen beim Umgang mit ihren Kindern helfen und frühzeitig Gefahren für das Kindeswohl erkennen. Bis zum Jahresende sollen dafür nach Verbandsangaben bundesweit rund 750 ausgebildete Familienhebammen zur Verfügung stehen.

Etwa sieben bis acht Prozent der Mütter benötigen nach Einschätzung der Verbandspräsidentin eine solche besondere Unterstützung. Das gelte vor allem für einkommensschwache, sehr junge, kranke oder behinderte Mütter. Sinnvoll sei eine Betreuung bis zum Ende des ersten Lebensjahres der Kinder. Der Deutsche Hebammenverband hat rund 17 000 Mitglieder und ist damit nach eigenen Angaben der größte Hebammen-Berufsverband in Deutschland.

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