Ärzte Zeitung online, 23.03.2009

Weltwasserforum: Viele Probleme, wenige Lösungen

Istanbul (dpa). Mit warnenden Worten haben Experten auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul die Gefahr einer dramatischen Wasserkrise in vielen Teilen der Welt beschworen. Eine Antwort, wie Milliarden Menschen vor Dürre und möglicher Unterversorgung bewahrt werden sollen, sei das Forum mit seinen mehr als 20 000 Teilnehmern aber nach einer Woche schuldig geblieben, kritisieren Umweltschützer am Sonntag.

Udo Gattenlöhner, der Geschäftsführer der Umweltorganisation Gobal Nature Fund war erstaunt, als einer der Teilnehmer seine Lösung der Krise vorstellte. Dieser habe in einer Diskussionsrunde vorgeschlagen, im brasilianischen Pantanal die Anbauflächen für Zuckerrohr deutlich ausweiten, um damit sogenannten Biosprit als Treibstoff für Autos herzustellen. Nur gehört das unter Naturschutz stehende Feuchtbiotop - etwa so groß wie die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung - zum UNESCO-Welterbe.

"Wasser ist Geld", ist Gattenlöhners Bilanz. "Natürlich aber bezeichnen hier alle ihre Projekte als nachhaltig." Viele Umweltschützer kritisieren auch den Einfluss der Industrie auf das Treffen, das von dem privat organisierten Weltwasserrat getragen wird.

Schon jetzt haben mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser, hatten die Organisatoren zum Auftakt des Treffens erklärt. Im Jahr 2075 könnten 3 bis 7 Milliarden Menschen in Gebieten mit chronischem Wassermangel leben. Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Gefahr, wie die UNESCO warnt. Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster seien die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

Die Minister und Chefs von Delegationen erkennen in Istanbul in einer Abschlusserklärung an, dass es schnelle und beispiellose Veränderungen im Klima, der Ausbreitung von Wüsten und im Bevölkerungswachstum gibt. Sie erklären, dass sie "Anstrengungen verstärken" wollen, damit der Zugang zu sicherem Wasser verbessert und die Ökosysteme erhalten bleiben. Um besseres Wassermanagement wollen sie sich bemühen.

Die auch von mehreren Regierungen geforderte Einigung auf ein Menschenrecht auf Wasser kam schon wie vor drei Jahren in Mexiko-Stadt nicht zustande. Vertreter mehrerer lateinamerikanischer Staaten unterzeichneten in Istanbul deswegen ein eigenes Papier, in dem ein Grundrecht auf Wasser anerkannt wird. Damit drücken sie ihre Unzufriedenheit mit dem Ergebnis des Weltwasserforums aus.

"Die offizielle Abschlussdeklaration des Weltwasserforums ist größtenteils eine Ansammlung von unverbindlichen Plattitüden und nicht der dringend notwendige Aktionsplan", kritisierte Martin Geiger, Wasserexperte bei der Umweltstiftung WWF Deutschland, am Sonntag. "Was wir angesichts einer drohenden, globalen Wasserkrise brauchen, sind konkrete Gegenmaßnahmen und ambitionierte Ziele - und keine wachsweichen Versprechungen."

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