Ärzte Zeitung online, 27.03.2009

Jährliche Zusatzrente für Contergan-Opfer noch in diesem Jahr

BERLIN (dpa). Die finanziellen Hilfen für Contergan-Opfer sollen noch in diesem Jahr erneut aufgestockt werden. Ein Gesetzentwurf der großen Koalition wurde am Donnerstagabend in den Bundestag eingebracht. Danach sollen die Betroffenen über einen Zeitraum von 25 Jahren eine jährliche Zusatzrente von bis zu 4000 Euro erhalten - gestaffelt nach der Schwere ihrer Behinderung.

Darüber hinaus erhalten die Geschädigten weiterhin ihre monatlichen Entschädigungsrenten. Diese waren erst im vergangenen Jahr auf einen Höchstsatz von 1090 Euro verdoppelt worden. Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal, das Contergan 1957 auf den Markt gebracht hatte, stellte daraufhin zusätzlich 50 Millionen Euro für die Betroffenen zur Verfügung. Die gleiche Summe wird noch einmal aus Bundesmitteln bereitgestellt, womit an die Opfer insgesamt 100 Millionen Euro zusätzlich ausgezahlt werden können.

Der Auszahlungs-Modus ist allerdings weiterhin umstritten. Nach Ansicht der Linken und der Grünen sollte den Betroffenen die Wahl gelassen werden, ob sie eine jährliche Rente beziehen oder das ihnen zustehende Geld auf einen Schlag erhalten wollen. Die CDU-Abgeordnete Antje Blumenthal sagte hingegen, durch die Verzinsung erhielten die Geschädigten mit einer dauerhaften Zusatzleistung letztlich mehr Geld als bei einer Einmalzahlung.

Der Koalitionsentwurf sieht ferner vor, die monatlichen Leistungen von 1090 Euro analog zur gesetzlichen Rente regelmäßig zu erhöhen. Betroffene, die wegen verpasster Antragsfristen bislang überhaupt kein Geld erhalten, sollen zudem noch einmal die Möglichkeit erhalten, die ihnen zustehenden Finanzhilfen zu beantragen. Die erneute Antragsfrist soll allerdings nur bis Ende des kommenden Jahres laufen, was bei FDP, Linken und Grünen auf Kritik stößt.

Das Schlafmittel Contergan war in den 50er Jahren vielen Schwangeren verordnet worden. Weltweit wurden dadurch rund 10 000 Kinder fehlgebildet geboren, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Viele von ihnen sind bereits gestorben.

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