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Ärzte Zeitung online, 08.04.2009

Trotz Elterngeld kein Babyboom

BERLIN (dpa). Der erhoffte Babyboom in Deutschland ist ausgeblieben. Im Februar fühlte sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch durch eine Hochrechnung bestätigt.

Statistiker hatten auch für 2008 mehr Geburten angenommen - zum zweiten Mal nach dramatischen Rückgängen. Jetzt zeigt die Statistik: Nach vorläufigen Zahlen sind doch weniger Kinder zur Welt gekommen als im Jahr zuvor (wir berichteten). Der von der Ministerin beschworene Trend wäre damit ausgeblieben.

Das Statistische Bundesamt errechnet nun ein Minus von 8000 Geburten und kommt auf rund 675 000 Babys für das vergangene Jahr. Von Oktober bis Dezember wurden weniger Kinder geboren als vorausgesehen. Im Februar hatten die Statistiker noch mit etwa 680 000 bis 690 000 Babys gerechnet.

Diese Zahlen hatten von der Leyen gut ins Konzept gepasst. Sie schienen ein Erfolg des gegen Widerstände aus der Union eingeführten Elterngelds zu sein. Besonders Frauen zwischen 30 und 40 Jahren bekämen mehr Kinder, sagte von Leyen bei der Vorstellung des Familienreports. Die steigenden Geburtenzahlen wertete sie als Beleg eines Mentalitätswandels - auch ausgehend von der Familienpolitik. Junge Menschen hätten das Gefühl, sie würden als Eltern nicht alleine gelassen, so die Ministerin damals.

Womöglich hat sich von der Leyen zu früh gefreut. "Den ungewöhnlichen Einbruch der Geburtenzahlen im letzten Quartal 2008 hat niemand vorausgesehen", sagt die Ministerin angesichts der aktuellen Statistik. Der Rückgang zeige, was der Mut zu Kindern für ein zartes Pflänzchen sei. Kritiker bemängeln immer wieder, dass die Bundesregierung zu wenig unternehme, damit junge Frauen weder auf Kinder noch auf die Karriere verzichten müssen. Gerade gut ausgebildete Frauen bekommen nach wie vor oft keine Kinder, weil eine Babypause ihrem beruflichen Erfolg schadet.

"Wir müssen einfach noch besser werden", räumte nun auch die Ministerin ein. "Junge Familien wollen zu Recht wissen, wie das Leben mit Kindern und Beruf in unserem Land gehen kann." Entscheidend für den Ausbau würden nun die Jahre bis 2013, wenn der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren kommt. 35 Prozent der unter Dreijährigen soll dann ein Krippenplatz zustehen.

Vor sieben Jahren schon hatten die EU-Staaten, und damit auch Deutschland, zugestimmt, für 33 Prozent aller Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zu schaffen - und zwar bereits bis 2010. Nach jahrelangem Stillstand in vielen westdeutschen Kommunen verfehlt Deutschland diese Maßgabe nun also wohl um drei Jahre. Weitere Initiativen, die dazu beitragen sollen, dass Mütter Beruf und Familie leichter vereinbaren können, sollen erst in der nächsten Legislaturperiode kommen. Für die Zeit nach der Bundestagswahl plant von der Leyen das Ehegattensplitting um eine Kinderkomponente zu erweitern, die Väter-Monate beim Elterngeld auszuweiten und das Kindergeld zu erhöhen, sollte sie verantwortlich sein.

Klarheit über die tatsächlichen Geburtenzahlen gibt es erst im August. Schwankungen von bis zu 5000 mehr oder weniger seien bis zu diesem Zeitpunkt noch möglich, heißt es beim Statistischen Bundesamt. So würden die Geburten vom Dezember oft erst später in die Statistik aufgenommen. Doch auch im Oktober und November 2008 seien zwölf Prozent weniger Kinder zur Welt gekommen.

Lesen Sie dazu auch:
Von der Leyen will gegen Geburtenrückgang steuern

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