Samstag, 11. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 19.05.2009

Kassen erwarten dieses Jahr Zulassungswelle bei Kliniken

GKV-Spitzenverband sieht Kliniken bei ambulanten Behandlungen im Aufwind / Ausschreibung nur nach Preis wäre "kurzsichtige Strategie"

KÖLN (iss). In den kommenden Jahren werden die Kliniken immer mehr ambulante Behandlungen übernehmen. Davon geht Dr. Wulf-Dietrich Leber aus, Leiter der Abteilung Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband.

"Ambulante Krankenhausleistungen werden zur Normalität", prognostizierte Leber bei der MCC-Konferenz "Erfolgreiches Krankenhausmanagement 2009" in Köln. Es gebe inzwischen mehrere Regelungen, die den Krankenhäusern die Erbringung ambulanter Leistungen ermöglichen. Einen großen Schub bei dieser Entwicklung erwartet Leber durch den Paragrafen 116b SGB V zur Öffnung der Kliniken für hochspezialisierte Leistungen. Zwar hätten die für die Zulassung der Kliniken zuständigen Bundesländer sich zunächst sehr zögerlich verhalten. "Aber für dieses Jahr erwarten wir die große Zulassungswelle."

Eine zentrale Frage wird nach seiner Einschätzung sein, ob geöffnete Krankenhäuser oder Medizinische Versorgungszentren (MVZ) langfristig die fachärztliche Versorgung sicherstellen. "Die Einzelpraxis hat keine Chance gegen die Krankenhäuser, das MVZ hat sie."

Die Verlagerung ambulanter Leistungen an die Kliniken müsse von einer Neuregelung der Finanzierung begleitet werden, forderte Leber. "Was das Krankenhaus versorgt, darf der KV nicht vergütet werden."

Die durch das neue Vertragsarztrecht eröffneten Möglichkeiten der Beschäftigung von Vertragsärzten an Kliniken und die ambulante Öffnung der Häuser sieht er als entscheidende Treiber für die integrierte Versorgung. "Innovationen werden nicht durch den Paragrafen 140b zur integrierten Versorgung kommen" prognostiziert er. Leber rechnet mit einer Zunahme von Selektivverträgen bei Krankenhäusern. Bei der Ausschreibung solcher Verträge muss seiner Ansicht nach die Qualität der Leistungen ein Kriterium sein. Es wäre eine kurzsichtige Strategie der Kassen, bei der Wahl der Vertragspartner nur auf die Preise zu achten. "Mit der Wahl der billigsten Krankenhäuser kämen die Krankenkassen nicht durch. Die Versicherten würden das nicht mitmachen."

Der Trend, dass immer mehr medizinische Leistungen außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden müssen, wird auch vor dem stationären Sektor nicht halt machen, erwartet Leber. "Wir werden die IGeL-Debatte mit Sicherheit auch in Kliniken bekommen."

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