Ärzte Zeitung online, 04.05.2009

Komatrinken sorgt für Koalitionskonflikt

Rauschtrinken ist unter Jugendlichen weit verbreitet. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) wirft der Union Blockade bei Präventionsprogrammen vor.

Von Thomas Hommel

Komatrinken sorgt für Koalitionskonflikt

Fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren weist derzeit einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf.

Foto: Yuri Hvostenko©www.fotolia.de

BERLIN. Laut Drogen- und Suchtbericht 2009 liegt der Anteil der Jugendlichen, die in den letzten 30 Tagen mindestens einmal mehr als fünf Gläser mit Alkohol konsumiert haben, mit über 20 Prozent weiter auf hohem Niveau. 2004 habe der Anteil junger Menschen, die "Binge-Drinking" praktizieren, noch bei etwa 22 Prozent gelegen, teilte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), bei der Vorstellung des Berichts am Montag vor Journalisten in Berlin mit.

Fast jeder zehnte Jugendliche (8,2 Prozent) im Alter von 12 bis 17 Jahren weist den Erhebungen zufolge derzeit einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf. So mussten 2007 mehr als 23 000 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung in Kliniken behandelt werden. Das sei die höchste Zahl seit der Ersterhebung im Jahr 2000 und entspreche einer Zunahme um 143 Prozent, so Bätzing. Kinder und Jugendliche müssten besser vor alkoholbedingten Gesundheitsschäden und Suchtgefahren geschützt werden. "Wir müssen handeln." Die Suchtprävention sei rasch auszubauen. Dazu gehöre auch die "deutliche Verbesserung der Selbstregulierung bei der Alkoholwerbung", betonte Bätzing.

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die geplanten nationalen Aktionsprogramme gegen Alkohol und Tabak. Solche Strategien gehörten in Europa längst zum "Standard". In Deutschland drohe das Vorhaben jedoch zu scheitern. Schuld daran seien CDU und CSU und die von beiden Parteien geführten Bundesministerien für Verbraucherschutz und Jugend, kritisierte die SPD-Politikerin. Die Union müsse ihre Blockadehaltung gegen die Programme aufgeben. Noch bestehe die Chance, das Vorhaben vor der Bundestagswahl im September auf den Weg zu bringen. "Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass Wahlkampftaktik und wirtschaftliche Interessen Vorrang haben vor der Gesundheit unserer Kinder." Sie werde daher noch einmal auf den Koalitionspartner zugehen und das Gespräch suchen.

Erstmals enthalten sind im Drogenbericht auch Angaben zu den "neuen Süchten" Internet und PC-Spiele. Deren verstärkte Nutzung werde zu einer steigenden Zahl von Online- und Computerspielsüchtigen führen, warnte Bätzing. Aktuellen Studien zufolge gelten drei bis sieben Prozent aller Internetnutzer als "onlinesüchtig", ebenso viele werden als "stark suchtgefährdet" eingestuft. Den Betroffenen müsse mit gezielten Beratungs- und Hilfsangeboten geholfen werden.

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