Ärzte Zeitung online, 08.05.2009

Die Alterung der Gesellschaft bietet auch ökonomische Chancen

ROSTOCK (dpa). Die zunehmende Alterung der Gesellschaft birgt aus Sicht von Gesundheitsexperten und Politikern nicht nur Probleme für die Sozialsysteme, sondern auch ökonomische Chancen. "Die Gesundheitswirtschaft ist die krisenfesteste aller Branchen. Sie garantiert die Zukunft unseres Landes in Zeiten des demografischen Wandels", sagte der Initiator der 5. Nationalen Branchenkonferenz, Horst Klinkmann, am Donnerstag zu Beginn der Tagung in Rostock.

In Rostock beraten bis zum Freitag mehr als 600 Fachleute über die Folgen des Alterns der Gesellschaft. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) räumte ein, dass Investitionen in die medizinische Infrastruktur nötig sind. Ein Umdenken in der Gesundheitspolitik müsse einsetzen, damit die Versorgungsqualität in dünn besiedelten Gebieten gesichert werden kann. Das bundesweit in die Leistungskataloge vieler Krankenkassen aufgenommene Greifswalder "AGnES"-Modell, bei dem speziell ausgebildete Pflegekräfte ältere Patienten in deren Wohnung betreuen, könne als Vorbild für dezentrale Versorgung dienen.

Große Erwartungen setzten Politik und Wissenschaft auch in den Ausbau der Telemedizin. "Die Daten müssen auf die Reise gehen, nicht die Patienten", forderte Sellering. Der Ministerpräsident sprach sich jedoch gegen pauschale Förderprogramme aus. "Wir brauchen keine staatlichen Großkonzepte, sondern Projekte, die sich von unten entwickeln."

Erste Vorhaben hierzu stellten Ärzte und Forscher in einem Workshop vor: Der Chef des Instituts für Angewandte Telemedizin in Bad Oeynhausen, Heinrich Körtke, präsentierte ein System zur Betreuung von Herzpatienten. Klinischen Studien zufolge senke es ärztliche Reaktionszeiten und Therapiekosten, während die Zufriedenheit der Patienten deutlich zunehme, wurde berichtet.

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