Ärzte Zeitung, 14.05.2009

Deutschland, einig Vaterland im Stress

Repräsentative Studie der Techniker Krankenkasse / Zehn Millionen Tage Krankschreibung als Folge von Burnout im vergangenen Jahr

BERLIN (ami). Stress ist eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts. Diese Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt auch für Deutschland. Das bestätigt eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse (TK).

Deutschland, einig Vaterland im Stress

Hetze und Termindruck machen Stress - jeder Dritte in Deutschland fühlt sich betroffen.

Foto: fred goldstein©www.fotolia.de

Jeder dritte Deutsche fühlt sich häufig oder dauernd unter Druck. Stressfaktor Nummer eins ist die Arbeit. Hauptursachen sind Termindruck und Hetze, ständige Erreichbarkeit, ungenaue Vorgaben und ein zu hohes Arbeitspensum. Überstunden, unregelmäßige Arbeitszeiten und Heimarbeit erhöhen den Stresspegel. Noch stärker gestresst als Manager sind aber Hausfrauen. Sie leiden nicht nur unter Dauerdruck, sondern zusätzlich unter mangelnder Anerkennung und finanziellen Sorgen.

Auch die Pflege von Angehörigen nennt bereits jeder Zehnte als Stressfaktor. Schüler und Studenten beklagen Leistungsdruck und Prüfungsstress. Das sind die zentralen Ergebnisse der repräsentativen Umfrage der TK in Kooperation mit Forsa und dem F.A.Z.-Institut.

"Kaum jemand kann noch richtig abschalten, und dieses Leben auf Standby macht die Menschen krank", sagte TK-Chef Professor Norbert Klusen gestern in Berlin. Beschäftigte in Deutschland waren laut TK 2008 insgesamt fast zehn Millionen Tage wegen Burnout-Symptomen krankgeschrieben. Mehr als 3000 TK-Versicherte nahmen 2008 deshalb stationäre Reha in Anspruch.

Der Studie zufolge leiden Menschen unter Dauerstress zudem deutlich häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Stimmungstiefs, Angstzuständen oder Schlafstörungen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Zwei Drittel klagen über Muskelverspannungen und Rückenschmerzen, mehr als die Hälfte über Erschöpfungszustände.

Auch Pflege von Angehörigen belastet viele Menschen.

Niedergelassene Ärzte können ihren Patienten helfen, den Stress in den Griff zu bekommen. "Es ist Aufgabe des Arztes, den Magenschmerz zu hinterfragen", sagt die TK-Ärztin Dr. Sabine Voermanns. Zur Unterstützung hält die TK Informationsbroschüren zur Stressbewältigung bereit und bietet zusammen mit dem Institut für Burnout-Prävention Hamburg Kurse zur Stressbewältigung an.

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