Ärzte Zeitung, 15.05.2009

Zöliakie-Patienten fordern Finanzhilfen

Vor allem Betroffene mit niedrigen Einkommen können sich die teuren glutenfreien Lebensmittel kaum leisten

DORTMUND (akr). Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft fordert angesichts der hohen Kosten für glutenfreie Nahrungsmittel finanzielle Unterstützung für Patienten, die unter der Eiweißunverträglichkeit leiden.

Zöliakie-Patienten fordern Finanzhilfen

Foto: VáclavMach ©www.fotolia.de

Diese Hilfe könnte nach den Vorstellungen der Selbsthilfeorganisation entweder in Form von Zuschüssen durch die Krankenkassen oder durch die vollständige Anerkennung der Mehrausgaben bei der Einkommensteuerveranlagung erfolgen.

Nach Angaben der Gesellschaft ist in Deutschland für jeden 250. Einwohner das Klebereiweiß Gluten unverträglich. Die Betroffenen müssten ohne Rücksicht auf den Preis glutenfreie Lebensmittel kaufen, sagt Christina Feußner-Koßick vom Vorstand der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. "Das verteuert ihr Leben erheblich, und sie haben dazu keine Alternative, denn glutenfreie Ernährung ist ihre einzige Therapie", sagt sie. Glutenfreie Nudeln kosten etwa das Dreifache, glutenfreies Mehl sogar das Fünffache des Preises handelsüblicher Produkte.

Besonders schwierig ist die Lage für Empfänger von Sozialhilfe. Sie erhalten eine pauschalierte Zulage von rund 70 Euro pro Monat. Das sei aber zu wenig, sagt Feußner-Koßick. Denn der Regelbedarf in der Sozialhilfe sei für einen preisorientierten Einkauf vorgesehen, der für Verbraucher mit Zöliakie gar nicht möglich sei. "Es darf nicht sein, dass sich sozial schwächere Zöliakie-Betroffene nur mit größter Mühe so ernähren können, dass sie keine gesundheitlichen Schäden davon tragen", sagt sie. Können sich Patienten nicht glutenfrei ernähren, drohen ihnen gesundheitliche Schäden wie Durchfälle, Anämie und bösartige Tumore. Die Selbsthilfeorganisation will eine Studie zu den Mehrkosten durch glutenfreie Ernährung in Auftrag geben.

Am morgigen Samstag, dem Welt-Zöliakie-Tag, organisiert die Gesellschaft in Dortmund eine Open-Air-Veranstaltung. Daran wird auch die unter Zöliakie leidende SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft teilnehmen.

Die erwarteten 1000 Teilnehmer werden vor Beginn in der Innenstadt für die Forderung nach finanzieller Unterstützung demonstrieren.

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft wurde 1974 gegründet und hat 35 000 Mitglieder. Sie unterstützt Betroffene unter anderem mit Ratschlägen für eine angemessene Ernährung. Auch Ärzte können sich an sie wenden. Nach den Erfahrungen der Organisation ist Zöliakie schwer zu diagnostizieren, weil sie in vielen unterschiedlichen Formen auftritt.

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Lebenslange glutenfreie Ernährung ist derzeit die einzige Therapie

Diagnose und Therapie bei Zöliakie

Symptome: Gedeihstörungen, Untergewicht, Appetitlosigkeit, ein aufgeblähter Bauch weisen bei kleinen Kindern auf eine Sprue hin. Bei älteren Kindern sind diese Symptome seltener und nicht so deutlich. Einziger Hinweis ist dann ein ausgeprägter Minderwuchs.

Diagnose: Diagnostiziert wird die Erkrankung mit vier bis sechs große Biopsien im distalen Duodenum und anschließender histologischer Untersuchung. Ergänzt wird die Diagnostik durch die Bestimmung sprueassoziierter Antikörper.

Therapie: Eine lebenslange glutenfreie Ernährung derzeit die einzige Therapie.

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