Samstag, 11. Februar 2012
Kongress, 27.05.2009

Krankenkassen wollen sich in der Krebsversorgung mehr engagieren

Mehr Einfluss bei der Steuerung von Krebspatienten für Kassen? 25 BKKen starten ein Projekt.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Krankenkassen wollen sich in der Krebsversorgung mehr engagieren

BERLIN. Sollten Krankenkassen in der Onkologie stärker als bisher eine koordinierende und steuernde Funktion einnehmen? Zumindest viele Betriebskrankenkassen denken in diese Richtung. Ein erster Schritt ist die systematische Analyse von Versorgungsdaten.

Bei dem Hauptstadtkongress-Symposium "Quo vadis Deutschland in der innovativen Krebstherapie?" wird sich die Ärztin Dr. Inken Barth heute mit diesem Themenkomplex auseinandersetzen. Barth ist Projektmanagerin Arzneimittel bei der GWQ, einem Serviceunternehmen für Krankenkassen. "Wenn wir uns die ganze Palette der onkologischen Versorgung von der Arzneimitteltherapie über die Physiotherapie und die Hilfsmittelversorgung bis hin zum Case Management ansehen, dann sind die Krankenkassen als einzige Einrichtung immer beteiligt", so Barth zur "Ärzte Zeitung". Es liege daher nahe, dass die Krankenkasse nicht nur eingehende Rechnungen begleiche, sondern beim Datenmanagement und bei der Koordination der Leistungserbringer eine aktivere Position einnehme als bisher.

Damit das funktioniert, muss zunächst die Datengrundlage geschaffen werden: Welche Kosten fallen ambulant und stationär an? Wie unterscheidet sich das Behandlungsergebnis bei unterschiedlichen Therapieoptionen unter Alltagsbedingungen? In einem zusammen mit dem Pharmaunternehmen Astra Zeneca realisierten Projekt bei Brustkrebspatientinnen wollen 25 Betriebskrankenkassen jetzt diesen ersten Schritt gehen. Astra Zeneca vertreibt bei der Indikation Brustkrebs verschiedene endokrine Therapien, darunter Tamoxifen und Anastrozol.

In dem BKK-Projekt soll analysiert werden, wie sich die Therapietreue bei endokrinen Therapien unter "real world"-Bedingungen auf die weitere Versorgung und insbesondere auf die Folgekosten auswirkt. "Aufbauend darauf könnten sich die Krankenkassen dann überlegen, welche Schritte zu einer Verbesserung führen könnten", so Barth. Denkbar wären Maßnahmen, die die Compliance erhöhen, aber auch Richtlinien für eine Differenzialtherapie, wenn sich die Compliance zwischen den verschiedenen medikamentösen Therapieoptionen stark unterscheiden sollte.

Barth betont, dass es bei diesen Überlegungen seitens der Kassen nicht darum gehe, ärztliche Kompetenz zu beanspruchen oder in die ärztliche Therapiehoheit einzugreifen. Ziel sei es, Daten zu liefern und die Leistungserbringer bei der Versorgungssteuerung zu unterstützen.

Ärzteforum

Quo vadis Deutschland in der innovativen Krebstherapie
27. Mai, 14.00 - 15.45 Uhr, Salon 11/12

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