Ärzte Zeitung online, 29.05.2009

Hilfsorganisation medico fordert radikales Umdenken

FRANKFURT/MAIN(dpa). Die Hilfsorganisation medico international fordert ein radikales Umdenken in der Entwicklungspolitik. Geschäftsführer Thomas Gebauer schlug am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorlage der Jahresbilanz einen neuen "globalen Sozialvertrag" vor. Die gängigen Modelle der Armutsbekämpfung seien gescheitert.

So habe sich der Glauben an den "Trickle-Down-Effekt" als großer Irrtum erwiesen. Unter diesem Effekt wird die Theorie verstanden, dass in den Entwicklungsländern das Wirtschaftswachstum und der Wohlstand der Eliten in die unteren Schichten der Gesellschaft "durchsickern".

Die weltweite Wirtschaftskrise habe vor allem für die ärmsten Regionen der Welt verheerende Auswirkungen, sagte Gebauer. Die Weltbank rechne allein in Afrika mit 50 Millionen mehr Menschen, die in Armut stürzten, sowie Hunderttausenden von Hungertoten.

Medico befürchtet auch Kürzungen der Entwicklungshilfe: "Im Gegensatz zu den Banken gelten die Bauern in Nicaragua, die Programme für eine zivile Konfliktlösung in Südafrika und selbst die Entminung in Afghanistan nicht als "systemrelevant"", erklärte der Chef der Hilfsorganisation.

Trotz Rezession konnte medico international die Spendeneinnahmen um 7,7 Prozent auf fast 2,4 Millionen Euro steigern. Der Jahresetat habe 2008 bei etwas mehr als zehn Millionen Euro gelegen. Die Organisation, die im vergangenen Jahr 40 Jahre alt wurde, setzte im vergangenen Jahr 61 Projekte in 20 Ländern um. Medico international hatte 1997 - zusammen mit anderen Mitgliedern der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen - den Friedensnobelpreis erhalten.

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