Ärzte Zeitung, 19.06.2009

KBV und Kassen streiten über ambulante Brachytherapie

KBV scheitert mit Antrag auf Zulassung / Einige Kassen bieten Therapie über Sonderverträge an, ebenso Kliniken

BERLIN(ami). Die Brachytherapie zur Behandlung von Patienten mit Prostatakarzinom wird den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) auch weiterhin beschäftigen. Ein Antrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf Zulassung zur ambulanten GKV-Versorgung ist vorerst ausgesetzt.

Der Ausschuss hat stattdessen beschlossen, dass der zuständige Unterausschuss zunächst prüfen soll, ob Studien vorgenommen werden können, die die Evidenz der Brachytherapie sektorenübergreifend belegen können. Solche Studien sind nach Angaben des Ausschuss-Vorsitzenden Dr. Rainer Hess in den USA gescheitert. Sollten sie sich in Deutschland als machbar erweisen, wird das IQWIG damit beauftragt. "Aus meiner Sicht ist das ein sehr gutes Ergebnis, weil Leistungen nicht ausgeschlossen werden", sagte Hess. Er räumte aber ein, dass der GBA diese Entscheidung auch früher hätte treffen können. "Die Diskussion ist viel zu lang gelaufen", so Hess.

Die KBV zeigte sich enttäuscht von dem Beschluss. Dr. Till Spiro verwies auf die widersprüchliche Versorgungsrealität, die ambulante Brachytherapie bereits heute ermögliche. Die Brachytherapie wird derzeit am Krankenhaus stationär und im Rahmen des Paragrafen 116b SGB V auch ambulant angeboten. Zudem haben einige Krankenkassen Selektivverträge zur ambulanten Brachytherapie geschlossen. Diese Angebote können zunächst fortgeführt werden.

Spiro äußerte zudem "Zweifel, ob wir durch neue Studien Ergebnisse in einem Zeitraum bekommen, der noch vertretbar ist". Die KBV habe aber im Interesse der Patienten ihren Antrag auf Aufnahme in den GKV-Katalog der ambulanten Leistungen ruhend gestellt. Die Patientenvertreter hatten den KBV-Antrag anfangs unterstützt. Sie begrüßen es jedoch, wenn neue Studien die Patientensicherheit erhöhen könnten. Dr. Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband forderte bessere Daten für alle vier Therapieoptionen.

Außer der Brachytherapie sind das die Prostataektomie, Strahlentherapie und der bewusste Behandlungsverzicht. "Wir stecken letztlich für alle vier Therapieoptionen im Nebel", so Etgeton. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, kritisierte, dass der Beschluss auch für die stationäre Brachytherapie eine Überprüfung vorsieht.

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