Ärzte Zeitung, 23.06.2009

Soziale Brennpunkte für Pädiater unattraktiv

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fürchtet um Versorgung von Kindern aus sozialen Randgruppen.

Von Raimund Schmid

In manchen Großstädten herrscht bereits Unterversorgung: Dr. Wolfram Hartmann.

Foto: ill

Vor allem in Ballungsgebieten könne schon bald die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden, warnte BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann beim Kinder- und Jugend-Ärztetag in Berlin. Die Kollegen seien durch die "anhaltende Unterfinanzierung ärztlicher Leistungen im GKV-System" nicht mehr bereit und in der Lage, sich in Wohnvierteln mit einem hohen Anteil an Arbeitslosen oder Migranten niederzulassen, sagte Hartmann.

Mit den Honoraren, die die gesetzlichen Krankenkassen zahlten, sei auch nach der Honorarreform eine zuwendungs- und zeitintensive Tätigkeit an solchen Standorten nicht mehr zu finanzieren. Erschwerend komme hinzu, dass dort der Anteil von Privatpatienten verschwindend gering sei. Hartmann: "Wir können bereits in bestimmten Stadtteilen von Berlin, Hamburg, Bremen, Köln und anderen Großstädten von einer Unterversorgung sprechen."

Dies betreffe nicht nur Kinder, sondern alle Altersgruppen. Gerade Patienten, die besonderer ärztlicher Fürsorge bedürfen, würden zunehmend Leistungen vorenthalten: Dies verstärke den Trend zur Zweiklassenmedizin, kritisierte Hartmann. Dabei könne es sich der Staat wegen der demografischen Entwicklung gar nicht leisten, dass Kinder mit Gesundheitsproblemen, aber gutem Entwicklungspotenzial, nicht gefördert werden und später durch mangelnde berufliche Qualifikation der Allgemeinheit zur Last fallen.

Frühe Förderung sei wesentlich kostengünstiger, sagte Dr. Ulrich Fegeler, niedergelassener Kinderarzt in Berlin-Spandau und Pressesprecher des BVKJ. So erreichten zum Beispiel 50 Prozent aller Kinder mit Spracherwerbstörungen in früher Kindheit keinen Schulabschluss. Mit dieser "schlechten Sozialprognose" drehe sich der Therapiekreislauf häufig bis ins Erwachsenenalter weiter.

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