Ärzte Zeitung online, 26.06.2009

Pädophile können an der Charité Hilfe suchen

Projekt soll gefährdete Männer zum Beispiel davon abhalten, kinderpornografische Web-Seiten anzuklicken

BERLIN (ami). Ein Projekt zur Prävention für potenzielle Nutzer von Kinderpornografie geht am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin an den Start. Es soll Männern mit bereits vorhandenem Problembewusstsein helfen, das Ausleben ihrer pädophilen Neigungen im Netz und in der Realität zu vermeiden.

Hilfesuchenden Pädophilen bietet das Charité-Institut kostenlos und unter dem Schutz der ärztlichen Schweigepflicht eine Anlaufstelle für Diagnostik, Beratung und Therapie. Das wissenschaftliche Projekt wird begleitet von einer Medienkampagne. Mit Fernseh- und Kinospots soll auf das Hilfeangebot hingewiesen und darüber aufgeklärt werden, dass eine pädophile Neigung noch kein Delikt ist.

"Kein Täter werden. Auch nicht im Netz. Eine Therapie kann helfen", so der Slogan der Kampagne. Das zweijährige Projekt setzt auf einem vierjährigen Vorgängerprojekt auf und wird vom Bundesfamilienministerium und der Kinderschutzstiftung "Hänsel und Gretel" gefördert.

Projektleiter und Institutsdirektor Professor Klaus M. Beier vergleicht die Pädophilie mit einer chronischen Erkrankung. "Die sexuelle Präferenz ist nicht heilbar, aber Folgeschäden lassen sich vermeiden", sagt er. Die an der Charité angebotene Therapie besteht aus einer Analyse von Gefahrensituationen, in denen Männer mit diesen Neigungen zu Nutzern von Kinderpornografie oder gar zu Tätern werden können und einem Verhaltenstraining.

"Kein Täter werden": Das ist das Ziel.

Etwa ein Drittel der Männer im Vorgängerprojekt wurden zusätzlich medikamentös behandelt. Die Vorgängerstudie habe zudem gezeigt, dass viele Betroffene ihre Angehörigen informiert haben, diese aber nicht wussten, wie sie sich verhalten sollen, so Beier. Daher will das neue Projekt das Umfeld der Männer stärker einbeziehen.

Rund 160 000 bis 180 000 pädophil veranlagte Männer gibt es nach Schätzungen der Stiftung "Hänsel und Gretel" in Deutschland.

Die Stiftungsvorsitzende Barbara Schäfer-Wiegand hält das Charité-Projekt für vorbildlich und plädiert dafür, dass in allen Bundesländern ähnliche Anlauf- und Beratungsstellen geschaffen werden.

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