Ärzte Zeitung online, 03.07.2009

Lautstarker Protest bei Rürups Abschied von der Uni

Studenten sprengen die Abschiedsvorlesung des früheren Regierungsberaters Bert Rürup an der TU Darmstadt

DARMSTADT (bee). Mit lautstarkem Protest gegen seine Reformen haben am Mittwochabend etwa 20 Studenten die Abschiedsvorlesung von Professor Bert Rürup an der Technischen Universität Darmstadt gestört.

Noch vor den ersten Worten Rürups entrollten die Studenten Transparente, pfiffen mit Trillerpfeifen, trommelten auf die Tische und schwenkten Werbefähnchen des Finanzdienstleisters AWD, dessen Chefökonom Rürup seit April dieses Jahres ist.

Vorher lehrte er 30 Jahre in Darmstadt, war als Rentenexperte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen und beriet die Bundesregierung in der nach ihm benannten Kommission zur zukünftigen Finanzierung von Renten- und Krankenversicherungsbeiträgen.

In seiner Abschiedsvorlesung wollte der umtriebige Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik über das Thema "Vom Elend wissenschaftlicher Politikberatung" sprechen. Die protestierenden Studenten ließen sich auf Diskussionen mit dem Darmstädter Universitätspräsidium oder Rürup selber nicht ein. Nach 20 Minuten wurde die Veranstaltung abgesagt.

Auf den Fluren kam es zu Rangeleien zwischen protestierenden Studenten und denen, die die Vorlesung hören wollten. Viele der knapp 800 Besucher im voll besetzten Audimax der TU Darmstadt verließen kopfschüttelnd den Hörsaal. Die Universität zeigte sich enttäuscht: "Die Uni ist ein offener Ort, an einen Polizeieinsatz haben wir nicht gedacht", sagte Manfred Efinger, Kanzler der TU Darmstadt. "Wir werden einen neuen Termin planen", sagte ein Sprecher der Universität der "Ärzte Zeitung".

[05.07.2009, 12:20:09]
Dr. Anton Safer 
Proteste erfolgten zu Recht
Wenn ein Wirtschaftsprofessor nach seiner Laufbahn als Wissenschaftler zu einem Finanzdienstleister wechselt, so legt das die Vermutung nahe, dass er schon während seiner wissenschaftlichen Laufbahn alles andere als neutral war. Ein weiterer Indikator sind Prof. Rürup´s Empfehlungen zum massiven Aufbau eines privaten Versorgungsmodells, das solidarische Ansätze zur Altersversoprgung (analog dem Schweizer Grundversorgungsmodell) massiv untergräbt. Die Beratungsrichtung von Prof. Rürup für die Bundesregierung gingen einseitig und allein in die Richtung privater Versorgungsmodelle, die vor allem die Finanzdienstleister begünstigt, und die soziale Kluft in der Gesellschaft immer weiter verstärkt.
Während für viele Normalverdiener (und erst recht Geringverdiener) Altersarmut droht, sind die Begünstigten dieser Gesellschaft einigermaßen gut versorgt. Und die Ratgeber und Nutzniesser dieser verfehlten Politik erst recht!

Im übrigen meine ich, dass er recht und billig wäre, das Einkommen aus der jetzigen AWD-Tätigkeit voll auf die Pensionsansprüche von Herrn Rürup anzurechnen.Es ist nicht einzusehen, warum wir als Steuerzahler für die Überversorgung Privilegierter aufkommen sollen.

Fazit: diese Art von Interessengelenkter "Wissenschaft" ist ein Indikator für den zunehmenden Verfall jeglicher ethischer Basis in der Gesellschaft; in meiner Auffassung bedeuet dies, dass die Korruption (wenn auch möglicherweise nicht justitiabel) Platz greift in der Gesellschaft.
Zudem hat Herr Rürup einen wesentlichen Beitrag geleistet, die Glaub- und Vertrauenswürdigkeit der Wissenschaft massiv zu beschädigen.

Die Proteste der Sudenten halte ich daher für mehr als berechtigt. Schade, dass es so wenige waren, und die Öffentlichkeit kaum darüber diskutiert.

Dr. Anton Safer
Biometriker und Humanbiologe zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »