Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung online, 08.07.2009

Regierung: Messerattacke in Dresden abscheulich

BERLIN/KÖLN (dpa). Die Bundesregierung hat die Kritik von Muslimen an ihrer Reaktion auf die Messerattacke auf eine Ägypterin im Dresdner Landgericht zurückgewiesen. Die Ausländerbeauftragte Maria Böhmer (CDU) habe dem Ehemann der getöteten Frau das Beileid ausgesprochen und die Abscheu über die Tat zum Ausdruck gebracht, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin.

"Die Bundesregierung hat nicht geschwiegen." Sowohl der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland als auch der Zentralrat der Muslime hatten erklärt, die Regierung habe nach der tödlichen Bluttat nicht eindeutig Stellung bezogen.

Nach den Worten Stegs könnten Gewalttaten dieser Art - ob mit oder ohne fremdenfeindlichem Hintergrund - "nur aufs Schärfste verurteilt werden". In Deutschland gebe es keinen Platz für Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit und auch nicht für "Islamophobie", sagte Steg offensichtlich in Anspielung auf die bisher bekannten Motive des Täters. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde am Rande des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak zusammentreffen. Dort gebe es dann Gelegenheit, auch über diese Vorgänge zu sprechen.

Der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland rief zu friedlichen Schweigemärschen für die Getötete auf. "Marwas Tod hat uns in Angst und Schrecken versetzt. Die Politik muss endlich die Islamphobie in unserem Land ernst nehmen", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Rates mit Sitz in Köln. Marwa S. sei auch "Opfer der Hetze und Verleumdungen, die spätestens seit der Zeit der Entscheidung zum Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und auf einschlägigen Internetseiten betrieben wird".

Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, appellierte im Berliner "Tagesspiegel" (Mittwoch) an die in Deutschland lebenden Muslime, sich nicht von Hass anstecken zu lassen. Mit einem "Signal der Anteilnahme" könne man auch helfen, die wütenden Reaktionen in Ägypten zu beschwichtigen.

Am Mittwoch vergangener Woche hatte ein 28 Jahre alter Russland- Deutscher während einer Berufungsverhandlung in einem Beleidigungsprozess am Dresdner Landgericht die 31-jährige Zeugin mit 18 Stichen niedergemetzelt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »