Ärzte Zeitung, 05.08.2009

Kommentar

Ehrlichkeit - auf allen Seiten, bitte!

Von Thomas Hommel

Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: Ressourcen im Gesundheitssystem werden zunehmend knapp. Immer weniger junge Menschen zahlen ein, immer mehr ältere sind auf Leistungen angewiesen. Ein Konzept, wie damit umzugehen ist, hat die Politik bislang nicht vorgelegt. Sie fürchtet die Antwort wie der Teufel das Weihwasser und beharrt darauf, dass auch zukünftig jeder alles bekommt. Redlich ist das nicht - zumal alle wissen, dass verdeckte Rationierung im Gesundheitswesen längst Realität ist.

Daher ist es gut, wenn die Bundesärztekammer eine offene Debatte über "ehrliche" Priorisierung anmahnt. Verdeckte Rationierung überlässt nämlich die Entscheidung, was der Patient bekommt und was nicht, dem einzelnen Arzt und der Situation vor Ort. Ethisch betrachtet ist das sehr fragwürdig.

Wer Ehrlichkeit und Transparenz von der Politik fordert, sollte diesen Anspruch aber auch bei sich selbst einlösen. So gehört zu einer offenen Debatte über Priorisierung, dass ärztliche Meinungsführer mögliche Interessenkonflikte offenlegen. Das gilt auch für den Chef der Bundesärztekammer, der zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der Allianz Deutschland AG ist. Dass diese Interesse an einer Ausweitung ihrer Geschäftsfelder hat, dürfte unbestritten sein.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte beurteilen wirtschaftliche Lage als gut
Jeder dritte Hausarzt überlegt, den Job hinzuschmeißen

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »