Ärzte Zeitung, 03.09.2009

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Das Kammersystem und seine föderale Vielfalt

Ärzte wünschen sich für die Zukunft eine stärkere Rolle ihrer Kammer - doch sie haben auch Schwächen.

In den Ärztekammern sind alle approbierten Ärzte qua Gesetz Pflichtmitglieder. Grundlage für die Organisation der Ärztekammern und ihrer Aufgaben sind die Heilberufsgesetze der Länder.

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Mehr Aktivität erwarten Ärzte von ihren Kammern - die schöpfen ihr Potenzial nach Meinung ihrer Zwangsmitglieder nicht aus.

Zu den wesentlichen Aufgaben und Rechten der Kammern gehört die Schaffung eines ärzteeigenen Berufsrechts, das Regeln der Berufsausübung festlegt. Eine weitere Aufgabe ist es, die Weiterbildung zum Facharzt in den Weiterbildungsordnungen festzulegen. Ferner obliegt den Ärztekammern die Organisation der ärztlichen Fortbildung und die Überwachung, ob Ärzte diese wahrnehmen. Generell tragen die Kammern die Verantwortung für die Qualität der medizinischen Versorgung.

Schwachstellen des Kammersystems:

  • Entscheidungen auf der Bundesebene - Deutscher Ärztetag, Vorstand der Bundesärztekammer - haben nur empfehlenden Charakter. Die Stringenz bei der Umsetzung ist nicht besonders ausgeprägt.
  • Dominanz der Krankenhausmedizin: Die Fachausschüsse der Bundesärztekammer und der Ärztekammern sind medizinisch hochkarätig besetzt, werden aber von Klinikern dominiert. Die Sichtweise ist häufig auf die jeweilige Spezialität oder Disziplin konzentriert. Es herrscht noch ausgeprägtes Sektorendenken.
  • Mangelnde Berücksichtigung der Probleme in der ambulanten Versorgung und deren Koordination führen zu wachsenden Interventionen des Gesetzgebers auf der sozialrechtlichen Ebene. Etwa die Vorgabe, dass als Vertragsarzt nur zugelassen wird, wer eine Weiterbildung absolviert hat.
  • Andauernder Streit über die Funktion der Allgemeinmedizin hat die hausärztliche Versorgung maßgeblich geschwächt. (HL)

Lesen Sie dazu auch:
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Das KV-System und seine Probleme

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