Ärzte Zeitung online, 25.08.2009

Jetzt ist sicher: Juschtschenko wurde Opfer eines Mordanschlags

FRANKFURT/MAIN (Smi). Der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko ist 2004 tatsächlich Opfer eines Mordanschlags gewesen. Das Dioxin, mit dem er vergiftet wurde, war so rein, dass es ohne Zweifel in einem Labor produziert worden ist.

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Bilder, die um die Welt gingen: Juschtschenko vor dem Mordanschlag am 2. August 2004 in Kiew (rechts), und nach dem Anschlag im Dezember desselben Jahres in Wien (links).

Fotos: dpa

Das sind Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die im Fachmagazin "Lancet" online vorab veröffentlicht worden ist.

Ein Ärzteteam um Professor Jean-Hilaire Saurat vom Genfer Zentrum für Angewandte Humantoxikologie hatte den ukrainischen Präsidenten nach seiner Vergiftung behandelt. Die Mediziner stellten fest, dass Juschtschenko mit 2,3,7,8-Tetrachlorodibenzo-p-dioxin (TCDD) vergiftet wurde. Die Bilder von seinem entstellten Gesicht gingen im September 2004, mitten im ukrainischen Wahlkampf, um die Welt. Zunächst war die Ursache seiner rätselhaften Erkrankung unklar. Ende 2004 berichteten Mediziner aus Wien schließlich, dass der Politiker Opfer einer Dioxin-Vergiftung sei. Die österreichischen Ärzte vermuteten schon damals, dass es sich um TCDD handelte, das auch in dem Herbizid "Agent Orange" vorkommt, welches die US-Amerikaner während des Vietnam-Kriegs eingesetzt haben und das verheerende Folgen für die Gesundheit der Zivilbevölkerung hatte.

Diese Annahme ist jetzt durch die erste wissenschaftliche Studie zu Juschtschenkos Vergiftung bestätigt worden. Die TCDD-Konzentration in seinem Körper war im Vergleich zur Normalbevölkerung mehr als 50 000-fach erhöht. Über drei Jahre lang untersuchten die Ärzte um Saurat Blut-, Fettgewebs-, Kot-, Urin-, Haut- und Schweißproben des prominenten Politikers. Sie konnten zwei TCDD-Metaboliten, 2,3,7-trichloro-8-hydroxydibenzo-p-dioxin und 1,3,7,8-tetrachloro-2-hydroxydibenzo-p-dioxin, isolieren. Die höchsten Konzentrationen dieser Metaboliten fanden sie im Kot.

In Anbetracht der Reinheit und extrem hohen Konzentration des Dioxins schließen die Ärzte eine natürliche Vergiftung definitiv aus. Es habe mehr als 15 Monate gedauert, bis das Dioxin aus Juschtschenkos Körper ausgeschieden gewesen sei, berichten sie im "Lancet". Inzwischen sind auch die Läsionen im Gesicht des Politikers weitgehend verheilt. Zur Klärung der Frage, wer den ukrainischen Präsidenten 2004 ermorden wollte, konnten die Wissenschaftler nicht beitragen.

Abstract der Studie "2,3,7,8-tetrachlorodibenzo-p-dioxin (TCDD) poisoning in Victor Yushchenko: identification and measurement of TCDD metabolites"

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