Ärzte Zeitung online, 28.08.2009

ADAC warnt vor hoher Bakterien-Belastung an Nord- und Ostsee

KÜHLUNGSBORN/MÜNCHEN (dpa). Die Belastung des Meerwassers mit gesundheitsgefährdenden Bakterien ist am Ostseestrand von Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) nach Messungen des ADAC dramatisch hoch

Bei eigenen Tests zur Qualität von Badegewässern seien "alarmierende Überschreitungen" der zulässigen Grenzwerte festgestellt worden, teilte der Automobil-Club in München mit. In Spiel- und Badezonen ermittelten die Prüfer demnach hohe Konzentrationen an Koli-Bakterien und Enterokokken. "Besonders anfällig für Infektionen sind dabei Kinder und ältere Menschen", hieß es. Auch am Nordseestrand im ostfriesischen Krummhörn (Niedersachsen) sei die Verunreinigung so stark, dass streng genommen Badeverbote verhängt werden müssten.

Die Werte für Koli-Bakterien hätten "gerade noch im oder sogar über dem überhaupt messbaren Rahmen" gelegen, warnten die Tester. Während die erlaubte Konzentration in Kühlungsborn die entsprechende Richtgröße um mehr als das Zweieinhalbfache übertroffen habe, hätten die Messungen in Krummhörn die verfügbare Skala gesprengt. Bei den Enterokokken lag Kühlungsborn dagegen nur leicht über dem Grenzwert, während der in Krummhörn um beinahe das Vierfache überschritten wurde.

Der Leiter des Rostocker Landesamts für Gesundheit und Soziales, Heiko Will, sagte zu, die Messungen umgehend nachzuprüfen. "Falls sich die Werte bestätigen, wird nach der Ursache geforscht." Er frage sich jedoch, warum der ADAC seine Wasserproben offenbar nicht an einer der fünf anerkannten Badestellen in Kühlungsborn, sondern am sogenannten Freistrand gezogen hat. Ein Grund für den erhöhten Bakteriengehalt im Wasser könnten daher "Ausscheidungen von Tieren" sein. Zudem hätte er erwartet, über die Resultate früher informiert zu werden. "Die Beprobung war am 11. August, seither ist viel Zeit vergangen." Das Land stehe nach wie vor zu den guten Ergebnissen, die in der Badewasserkarte im Internet dokumentiert seien.

Mit Bakterien oder Viren verunreinigte Badegewässer bergen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erhebliche Infektionsrisiken. Jährlich ließen sich allein in Europa zwei Millionen Magen-Darm-Erkrankungen hierauf zurückführen, schrieb der ADAC unter Berufung auf die Genfer UN-Behörde. Gefährlich für Schwimmer und Badende sei vor allem die Einleitung von Fäkalien oder landwirtschaftlichen Abwässern.

Die EU hatte im Juni auch die Badewasserqualität in Deutschland im Rahmen einer europaweiten Studie unter die Lupe genommen. Die ersten Messergebnisse des ADAC sollen nun in einen groß angelegten Test zur Qualität des Wassers an den deutschen Stränden einfließen.

Badewasserkarte im Internet: www.regierung-mv.de

Lesen Sie dazu auch:
Streit um ADAC-Bakterien-Alarm für Ostseestrand

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