Ärzte Zeitung online, 01.09.2009

Indisch-stämmiger Arzt will in den Bundestag

ALTLANDSBERG (dpa). Der indisch-stämmige Arzt Ravindra Gujjula will im Wahlkreis 60 als Kandidat der SPD ein Direktmandat für den Bundestag erringen. Er bewirbt sich erstmals um einen Sitz im Bundestag. Ein Neuling in der Politik ist er jedoch nicht.

Auch wenn er in Eile ist, nimmt sich Gujjula Zeit. Für seine Patienten will der Arzt aus Altlandsberg östlich von Berlin ebenso da sein wie für Menschen, die auf seine politische Unterstützung hoffen. In diesen Wochen reist er viel durch die brandenburgischen Landkreise Barnim und Märkisch-Oderland, stellt sich den Menschen vor, wirbt um ihr Vertrauen. Gujjula will dort

Dabei sah der heute 55-Jährige seine Anfänge in diesem Metier gar nicht als politische Arbeit an. "Das war für mich die Erfüllung meiner Bürgerpflichten. Ich wollte mich gesellschaftlich engagieren", sagt Gujjula über die Zeit, als er 1993 zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Altlandsberg gewählt wurde. Zehn Jahre später übernahm er ein Kreistagsmandat und rückte 2007 in den brandenburgischen Landtag nach. "Was über das Lokale hinaus geht und überregionale Bedeutung hat, das ist für mich Politik." Es sei für ihn eine Ehre, dass er um seine Bewerbung für einen Sitz im Bundestag gebeten wurde.

"Unser Gesundheitswesen ist nicht gut organisiert"

Dort will der Mediziner mit Gesundheitspolitik ein Thema bearbeiten, auf das er im Landtag nur wenig Einfluss nehmen kann. "Wir sind ein reiches Land. Aber unser Gesundheitswesen ist nicht gut organisiert", sagt Gujjula. So müssten Menschen im ländlichen Brandenburg bis zu drei Monate auf einem Termin beim Augenarzt oder beim Orthopäden warten. "Es gibt viele Dinge, über die man reden muss", meint er. Der Ärztemangel auf dem Land gehöre ebenso dazu wie der demografische Wandel, mit dem die Zahl älterer Patienten steigt.

Auch in Altlandsberg, das dem Arzt längst zur Heimat geworden ist, steigt die Zahl der Alten. Wenn Gujjula durch das Städtchen spaziert, grüßen ihn die Passanten freundlich. Immer wieder bleibt er stehen, um mit diesem oder jenem ein paar Worte zu wechseln. "Ich betreibe auch viel Sprechmedizin." Für manchen Patienten sei ein Gespräch hilfreicher als ein Medikament.

1974 verließ Gujjula sein Geburtsland Indien und studierte Medizin in der DDR

Seinem Geburtsland Indien, das er 1974 für ein Medizinstudium in der DDR verlassen hat, hilft Gujjula auf andere Weise. Mit Jugendlichen organisiert er dort Projekte für Tsunami-Opfer, Frauen und Kinder. Noch in diesem Jahr sollen über diese Projekte drei Schulgebäude in Südindien gebaut werden, die zugleich bei Hochwasser den Menschen Schutz bieten können.

Bis heute besucht Gujjula einmal jährlich seine alte Heimat. "Früher habe ich gedacht, dass ich dort alt werden möchte. Das ist heute nicht mehr so." Er habe in Deutschland viele Freunde gefunden und fühle sich "mehr als akzeptiert", sagt der zweifache Vater. Gerade hat er seine in diesem Jahr geschlossene zweite Ehe gefeiert - mit einem indischen Hochzeitsfest, zu dem neben 120 geladenen auch mehrere hundert spontane Gäste kamen. Da wirkt der Slogan "Einer von uns" auf seinen Wahlplakaten trotz des fremd klingenden Namens und seines unverkennbar indischen Aussehens durchaus überzeugend.

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