Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Hürdenlauf ohne Zwischenstopp: Wie die Uni Heidelberg den Hausarzt-Nachwuchs fördert

Weiterbildung an wechselnden Orten, in wechselnden Disziplinen: Das charakterisiert den Werdegang zum Hausarzt. Die Uni Heidelberg hat einen Verbund geschaffen, der den Hürdenlauf für den Nachwuchs ebnet.

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"Wir wollen ein Erfolgsmodell gegen den Hausarztmangel schaffen." Professor Dr. Joachim Szecsenyi Universitätsklinikum Heidelberg

Von Marion Lisson

Das baden-württembergische Nachwuchsprogramm "Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin" für angehende Hausärzte erfreut sich bereits wenige Monate nach Projektstart großer Beliebtheit. Bislang konnten sich 22 junge Ärzte beim Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin der Universitätsklinik Heidelberg einschreiben. Anfang 2010 sollen weitere 20 bis 25 Assistenzärzte hinzukommen.

Teilnehmer des Nachwuchsprojektes haben zwei Vorteile: Erstens müssen sie sich während ihrer fünfjährigen Weiterbildungszeit nicht selbst um die wechselnden Weiterbildungsstellen in Klinik und Praxis kümmern. Das erledigt das Kompetenzzentrum. Verbünde mit Kliniken und Praxen machen es möglich.

Verhandlungen über höhere Zuschüsse laufen

Zum zweiten können die jungen Mediziner, während sie in der Kardiologie oder der Chirurgie arbeiten, ständig in Kontakt mit Allgemeinärzten bleiben. "Wir haben für unsere Weiterbildungsärzte eine Art Chatroom eingerichtet", berichtet Dr. Stefanie Joos, die wissenschaftliche Leiterin des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin. In dem Internetforum hätten die angehenden Hausärzte die Chance, sich auszutauschen.

"Wir wollen ein Erfolgsmodell gegen den Hausarztmangel schaffen", kündigte Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg, an. Die Perspektive der hausärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg gebe seit Jahren prinzipiell Anlass zur Sorge.

Die Gründe dafür seien vielfältig. Die allgemeinmedizinische Weiterbildung sei schlecht strukturiert und bezahlt. Außerdem würden junge Ärzte nicht ausreichend auf eine selbstständige Praxistätigkeit vorbereitet werden, und es fehle die akademische Anbindung an die Fakultäten, die dem Medizinernachwuchs den Weg in die Allgemeinmedizin ebne.

Dies soll sich nun ändern. Seit Januar läuft das landesweit konzipierte und damit bundesweit einmalige Projekt der Verbünde. Es wird vom Wissenschaftsministerium in Stuttgart unterstützt. Bereits zwölf regionale Weiterbildungsverbünde, bestehend aus Kliniken, Praxen und dem Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin, sind etabliert. So zum Beispiel wurde der Weiterbildungsverbund Mittelbaden geschaffen, bei dem unter anderem das Kreiskrankenhaus Rastatt, das Rheumazentrum Baden-Baden, die Chirurgie und Pädiatrie der Stadtklinik Baden-Baden und die Allgemeinmedizinpraxis von Professor Dr. Hans-Dieter Klimm aus Kuppenheim beteiligt sind. Assistenzärzte, die sich für Mittelbaden einschreiben, durchlaufen hier ihre Weiterbildung.

Man sei noch immer auf der Suche nach weiteren Bündnispartnern, kündigte Joos an. Ziel sei es, landesweit ein dichtes Netz an Verbünden von Klinikern und Praxischefs auf die Beine zu stellen. Zur Zeit werden geeignete Krankenhäuser in der Bodensee-Region gesucht. Außerdem sollen weitere niedergelassene Ärzte gewonnen werden.

Im Moment wird mit KBV, DKG, GKV-Spitzenverband und dem PKV-Verband darüber verhandelt, die monatlichen Förderungsbeträge für niedergelassene Allgemeinärzte aufzustocken, wenn diese einen Weiterbildungsassistenten beschäftigen. "Der Zuschuss von rund 2000 Euro - 1000 Euro von der KV und 1000 Euro von den Kassen - reicht hier sicherlich nicht aus", so Joos.

Das Verbundsystem könnte eine Blaupause werden

Qualifizierte Weiterbildungsstellen für die künftigen Hausärzte zu schaffen und ihnen zudem "ein organisiertes Weiterbildungsprogramm mit hohem Qualitätsanspruch" durch die Lehrenden des Kompetenzzentrums zukommen zu lassen, sei Ziel des neuen Projektes, fasst Szecsenyi zusammen. So müssen die Weiterbildungsassistenten von den Kliniken und Praxischefs pro Jahr mit zehn Fortbildungstagen freigestellt werden. Vier Tage sind für Kongresse eingeplant, sechs Tage werden die Mediziner im Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin unterrichtet. Neben medizinischen Themen, vor allem um Gesprächsführung mit den Patienten, werden auch betriebswirtschaftliche Probleme der künftigen Praxisinhaber behandelt.

Das Verbundsystem in Baden-Württemberg könnte so eine Blaupause für andere Regionen sein.

Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin

Ziel der Initiative "Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Baden-Württemberg" ist es, angehenden Hausärzten ohne Reibungsverluste eine strukturierte kontinuierliche Weiterbildung in Klinik und Praxis zu sichern. Das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin der Uniklinik Heidelberg koordiniert das. Den jungen Ärzten wird vom Zentrum die Suche nach einem der vorgeschriebenen Weiterbildungsplätze abgenommen. Sie werden bis zur Facharztprüfung von Mentoren begleitet. Damit soll ein frühzeitiger Bezug zur Praxis hergestellt werden. (mm)

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