Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Weiblich und mächtig - Merkel, Thatcher, Gandhi & Co

HAMBURG (dpa). Mächtige Politikerinnen sind rar, aber es gibt sie. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist dafür ein Beispiel. Mit ihren weitreichenden innen- und außenpolitischen Befugnissen ist sie derzeit die wohl mächtigste Regierungschefin der Welt. In die große Politik mischen sich Frauen schon länger ein.

Erste Frau an der Spitze einer gewählten Regierung war Sirimavo Bandaranaike (1916-2000) aus Sri Lanka (Ceylon). Drei Mal amtierte sie als Ministerpräsidentin: von 1960 bis 1965, 1970 bis 1977 und 1994 bis 2000. Seitdem haben mehrere Politikerinnen die Geschicke ihrer Länder gelenkt, manche über mehrere Amtszeiten. Ob dies auch Merkel (55) gelingt, wird sich nach der Bundestagswahl am 27. September zeigen.

Die weltweit zweite Ministerpräsidentin Indira Gandhi (1917-1984) regierte Indien rund 16 Jahre lang. Während Beobachter ihren Stil mit der eher männlichen "harten Hand" charakterisierten, zog die machtbewusste Politikerin einen weiblichen Vergleich: "Ich habe die Mentalität einer Hausfrau, wenn ich meine Arbeit tue. Wenn ich Schmutz oder Unordnung sehe, muss ich aufräumen", sagte sie. 1975 rief sie den Notstand aus und ließ Oppositionelle ins Gefängnis werfen. Dass die Wähler sie 1977 davonjagten, lag auch an den Zwangssterilisationen, mit denen sie das Bevölkerungswachstum eindämmen wollte. Bei der Wahl 1980 gelang ihr eine triumphale Rückkehr, vier Jahre später wurde sie ermordet.

Ebenfalls als äußerst energisch bekannt war Golda Meir (1898-1978), die Israel zwischen 1969 und 1974 regierte. Noch bevor sie selbst Regierungschefin wurde, beschrieb David Ben Gurion sie als "der einzige wirkliche Mann" im Kabinett. Die politische Karriere von Israels "Eiserner Lady" scheiterte am Jom-Kippur-Krieg, bei dem Ägypten und Syrien 1973 ein vollständig unvorbereitetes Israel angriffen.

In einem europäischen Land eroberte in der Nachkriegszeit als erste Margaret Thatcher (83) den Posten einer Regierungschefin. Die britische Premierministerin (1979-1990) prägte das Vereinigte Königreich so stark wie selten ein Politiker zuvor. War das Land bei ihrem Amtsantritt von Schulden, hoher Inflation, Arbeitslosigkeit und Massenstreiks geplagt, so wandelte es sich unter der "Eisernen Lady" langsam zum Boom-Land. Allerdings ist der "Thatcherismus" auch untrennbar mit sozialer Kälte verbunden. Thatchers brachialer Führungsstil ("Es stört mich nicht, was meine Minister sagen, solange sie tun, was ich ihnen sage") und ihre Außenpolitik stießen schließlich auch in den eigenen Reihen immer stärker auf Kritik. 1990 trat sie zurück.

Auf drei Amtszeiten mit insgesamt rund zehn Jahren an der Macht brachte es die norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland (70). 1981 schaffte sie es erstmals an die Spitze des Kabinetts. Anfangs galt sie als cholerisch und zu ehrgeizig, doch in zwei Jahrzehnten wurde sie zur mit Abstand erfolgreichsten und populärsten Politikerin ihres Heimatlandes. International für Aufsehen sorgte der hohe Frauenanteil in ihrer Regierung: 1986 stellte sie ein Kabinett aus acht Ministerinnen und zehn Ministern vor.

Die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark (59) regierte zwischen 1999 und 2008. "Sie ist nicht gerade ein Typ zum Knuddeln, und sie küsst keine Babys", schrieb ein Kolumnist in der Zeitung "Sunday Star Times". Dass ihr ein Mangel an Charisma nachgesagt wurde, war ihr anscheinend egal. Für die resolute Politikerin zählten in erster Linie Fakten und politische Ergebnisse.

Lesen Sie auch die Serie der Ärzte Zeitung "Bundestagswahl 2009"

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