Ärzte Zeitung, 29.09.2009

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Ärzte sehen die nächsten vier Jahre nüchtern

Schwarz-Gelb war die Wunschkoalition der meisten Ärzte - mit einem starken liberalen Partner. Doch die Erwartungen an die neue Bundesregierung sind eher nüchtern. Dabei gibt es interessante Unterschiede.

Von Helmut Laschet

Als Reformpartei, als Motor für Wachstum, als Partei der Freiberufler und Garant für Bürgerrechte hat sich die FDP im Wahlkampf verkauft. Mit Erfolg hat sie sich neue Wähler im Mittelstand und bei Leistungsträgern erschlossen. Sicher auf Kosten der SPD, deren Neoliberalismus-Kampagne nicht aufgegangen ist, aber auch auf Kosten der Union, deren Etatismus einem wachsenden Teil der Bevölkerung beängstigend erscheint und deren Sozialpolitik sozialdemokratisiert vorkommt.

Trotz neuer Koalition: die Republik marschiert deshalb nicht in eine völlig andere Richtung. Das gilt wohl auch für die Gesundheitspolitik. Die niedergelassenen Ärzte erwarten keine Revolution, schon gar nicht zu ihren Gunsten.

Gespalten fallen die Erwartungen darüber aus, ob die neue Bundesregierung grundlegende Reformen im Gesundheitswesen anpacken wird. 46 Prozent der befragten 1000 niedergelassenen Ärzte glauben das, 54 Prozent jedoch nicht. Unter den Hausärzten erwarten nur 41,5 Prozent Reformen, bei den Fachärzten sind es 48,2 Prozent. Frauen, ältere Ärzte und die Kollegen aus den neuen Bundesländern haben weniger ausgeprägte Reformerwartungen.

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Stabilität oder eine Verbesserung der GKV-Honorare sehen die weitaus meisten Ärzte für die nächsten vier Jahre, Rückgänge hingegen weniger als ein Fünftel.

Deutliche Unterschiede unter den verschiedenen Arztgruppen gibt es hinsichtlich der Erwartungen über ihre Gesamtsituation. Die gute Nachricht: die Zuversicht überwiegt, es gibt aber keine Euphorie. 38,5 Prozent erwarten eine Verbesserung, 52,3 Prozent glauben, dass sich nichts verändern wird, nur 9,2 Prozent befürchten eine Verschlechterung.

Mit 42,2 Prozent ist der Optimismus bei den Fachärzten allerdings deutlich ausgeprägter als bei Hausärzten (30,7 Prozent). Inhaber großer Praxen haben deutlich positivere Erwartungen als kleinere (48 zu 34 Prozent). Ärztinnen glauben nur zu knapp 31 Prozent an Verbesserungen, ihre männlichen Kollegen sind mit 41 Prozent deutlich optimistischer.

Erhebliche Unterschiede zeigen sich zwischen alten und neuen Bundesländern: Mit 40,1 Prozent ist der Anteil der Optimisten im Westen höher als im Osten (33,5 Prozent). In den neuen Bundesländern erwarten mehr Ärzte (57,1 Prozent), dass ihre Situation sich nicht verändern wird. Im Westen sind es 50,7 Prozent. Aber: Nur jeweils gut neun Prozent in Ost und West erwarten eine Verschlechterung.

Etwas weniger günstig als die Gesamtsituation wird die künftige Entwicklung der Kassenhonorare eingeschätzt. Ein gutes Fünftel erwartet steigende Einnahmen, rund 60 Prozent Stabilität. Auch hier ist die Zuversicht im Westen ausgeprägter als im Osten. 24,1 Prozent der Ärzte in den alten Bundesländern erwarten Wachstum, aber nur 17,1 Prozent in den neuen Bundesländern.

Das Ergebnis ist etwas erstaunlich: Eigentlich müssten die Ärzte bei der neuen Morbiditätsorientierung ihrer Vergütung in den neuen Bundesländern eher mit Wachstum rechnen.

Umfrage des MKM-Marketinginstituts

Die Antworten von 1000 niedergelassenen Ärzten auf sechs grundlegende Fragen zu ihren Erwartungen hat das MKM-Marketinginstitut direkt am Tag nach der Bundestagswahl für die Ärzte Zeitung ausgewertet. Einbezogen war ein Panel von insgesamt 5000 Ärzten.

MKM steht für Marketing, Kommunikation und Marketingforschung. Das Unternehmen ist seit 25 Jahren ein bedeutender Dienstleister für die Gesundheitswirtschaft. Mit 500 Pharmaberatern ist es wichtiger Industriepartner. Von regelmäßigen Trendstudien über Kampagnenchecks bis zu umfassenden Tracking-Reports erstreckt sich das Spektrum der Marketingforschung.

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