Ärzte Zeitung, 14.10.2009

MB-Chef will in der Gesundheitspolitik mitmischen

Der neue Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke will seine Funktion als Chef des Marburger Bundes nicht aufgeben.

Von Thomas Hommel

MB-Chef will in der Gesundheitspolitik mitmischen

MB-Vorsitzender Rudolf Henke: "Ich bin kein verlängerter Arm einer Ärzteorganisation."

Foto: MB

BERLIN. "Ich bin nicht der verlängerte Arm einer Ärzteorganisation, sondern direkt gewählter Abgeordneter. Mein Bundestagsmandat kommt von den Menschen der Stadt Aachen, die ich im Parlament vertrete", sagte Henke der "Ärzte Zeitung".

Sowohl FDP-Abgeordnete als auch Unionsparlamentarier hatten zuvor Zweifel angemeldet, ob Henke einerseits in parlamentarischen Gremien Gesundheitspolitik mitgestalten und gleichzeitig weiter als Chef des Marburger Bundes amtieren sollte. Henke hält diese Bedenken für unbegründet. Auch in seiner Zeit als Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag sei sein berufspolitisches Engagement "nie ein Problem gewesen, weder um in den Landtag gewählt zu werden, noch um wiedergewählt zu werden". Bei seiner Wahl zum gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion habe ebenfalls niemand Anstoß an seiner Verbandstätigkeit genommen. "Im Vordergrund standen Vertrauen und fachliche Kompetenz."

Henke war 1995 als Abgeordneter in den Landtag von NRW gewählt worden und dort unter anderem in den Ausschüssen für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie aktiv. Bei der Bundestagswahl hatte er in Aachen ein Direktmandat für die CDU gewonnen und die Kandidatin der SPD, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, ausgestochen (wir berichteten).

Ob er von der Unionsfraktion in den Gesundheitsausschuss entsendet werde, bleibe abzuwarten, sagte Henke. "Aber man soll jetzt auch nicht so tun, als hingen meine Möglichkeiten, Gesundheitspolitik mitzugestalten, allein von der Mitgliedschaft im Gesundheitsausschuss ab."

Im Gesundheitswesen brauche es vor allem eine "Rückbesinnung auf die Bedeutung echter Leistung", erklärte Henke. Das gelte für die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften, aber auch für die Arbeit pflegender Angehöriger. "Wir sind derzeit der Gefahr unterlegen, den humanen Kern unseres Gesundheitswesens hinter der Definition einer Gesundheitswirtschaft zu vergessen." Es gebe noch immer große Unterschiede zwischen kaufmännischem Handeln und ärztlicher Motivation. "Untersuchungen mit aufwendigen Verfahren durchzuführen, die keinerlei therapeutische Konsequenz bringen, mag aus gesundheitswirtschaftlicher Sicht und zur Befriedigung der Neugier gewünscht sein. Aus ärztlicher Sicht macht es keinen Sinn."

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