Ärzte Zeitung, 28.10.2009

Kommentar

Ein neuer Kampf um Begriffe beginnt

Von Florian Staeck

Wer es seit 2005 vergessen hat, weiß es jetzt wieder: Der Streit um Sozialreformen ist immer auch ein Kampf um Begriffe. Das zeigt die Debatte über die von Schwarz-Gelb geplante Gesundheitsreform. Kaum war die Tinte trocken, stritten CDU, CSU und FDP wie die Kesselflicker darüber, was eigentlich im Koalitionsvertrag steht.

Es ist kein Zufall, dass sich das gesundheitspolitische Kapitel in weiten Teilen wie eine technische Betriebsanleitung liest. Schwarz-Gelb hat - im Wortsinne - keinen Begriff dafür, was man will. Stattdessen heißt es nur, man strebe ein System "einkommensunabhängiger Arbeitnehmerbeiträge an, die sozial ausgeglichen werden". Die Herkulesaufgabe, aus dieser Plastiksprache ein Reformkonzept zu zimmern, wird 2010 das beherrschende gesundheitspolitische Thema sein.

Allen voran CSU-Chef Horst Seehofer wird alles daransetzen, die Fehler von 2005 zu vermeiden. Vergeblich hatte er gegen das damalige CDU-Projekt der Kopfpauschale in der Krankenversicherung gekämpft. Das technokratisch anmutende Prämiensystem hatte im Wahlkampf gegen das SPD-Projekt der Bürgerversicherung keine Chance. Mit dem Kampf um Begriffe in der Gesundheitspolitik verpasste die Union 2005 den sicher geglaubten klaren Wahlsieg.

Lesen Sie dazu auch:
Reform in der Krise - Konflikt in der Koalition

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »