Ärzte Zeitung, 03.11.2009

Prüfungen durch externe Experten verbessern die Behandlungsqualität in den Kliniken

Zwar zeigen die aktuellen Zahlen der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, dass es in deutschen Kliniken noch viel zu verbessern gibt. Aber es wird auch deutlich: Von Jahr zu Jahr gibt es weniger zu bemängeln.

Von Ilse Schlingensiepen

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Die Einhaltung der 20-Minuten-Grenze bis zur Geburt wird bei Notfallkaiserschnitten noch zu häufig verfehlt, meinen die BQS-Experten.

Foto: PhotoDisc

Entscheiden sich Klinikärzte zu einem Notfallkaiserschnitt, vergehen bis zur Geburt des Kindes in den allermeisten Häusern weniger als 20 Minuten. Bei 2,3 Prozent der Notfallkaiserschnitte dauerte es im vergangenen Jahr aber länger. Diese Quote ist zu hoch, betonen Qualitätssicherungs-Experten. Eine möglichst kurze Entschluss-Entwicklungszeit (E-E-Zeit) ist wichtig, damit das Neugeborene eine gute Prognose hat.

"Die Einhaltung der 20-Minuten-Grenze bei der E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen der Organisation einer geburtshilflichen Abteilung", schreiben die Autoren des Qualitätsreports 2008 der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS). Auftraggeber des Berichts über die Versorgungsqualität im Krankenhaus ist der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA). Für 2008 hat die BQS fast 3,8 Millionen Datensätze aus 1730 Kliniken analysiert.

Die Quote der Notfallkaiserschnitte, bei denen die Kliniken eine E-E-Zeit von über 20 Minuten aufwiesen, ist seit 2005 kontinuierlich gesunken. Damals waren es noch 6,9 Prozent, also deutlich mehr als die 2,3 Prozent 2008, die 168 Geburten in 112 Krankenhäusern entsprechen. Die Mitglieder der BQS-Gruppe Perinatalmedizin sprechen trotzdem weiter von einer "kritischen Versorgungssituation". "Für auffällig hält die BQS-Fachgruppe, dass für das Erfassungsjahr 2008 E-E-Zeiten von mehr als 20 Minuten prozentual häufiger in Krankenhäusern mit weniger als 1000 Geburten dokumentiert wurden (3,6 Prozent) als in Krankenhäusern mit mindestens 1000 Geburten (1,2 Prozent)", heißt es im Bericht.

Die Experten halten eine intensive Analyse jedes Einzelfalls für erforderlich. Sie erfolgt über den sogenannten Strukturierten Dialog: Bei statistischen Auffälligkeiten in den Daten der externen Qualitätssicherung werden viele betroffene Häuser um eine Stellungnahme gebeten. Dort sollen sie erläutern, welche Gründe die Abweichungen haben und ob und welche Gegenmaßnahmen bereits erfolgt sind.

Die BQS macht nicht öffentlich, welche Kliniken auffällig werden.

Bei der E-E-Zeit ist nach Einschätzung der Fachgruppe Diskussion gefragt: "Neben der Abklärung der Auffälligkeiten im Strukturierten Dialog wird auch eine vertiefte Diskussion auf Fachkongressen zum Thema angeregt."

Die E-E-Zeit ist einer von 15 Qualitätsindikatoren, bei denen die BQS besonderen Handlungsbedarf sieht. Im Bericht für 2007 waren das noch 20 Indikatoren. In beiden Jahren auffällig waren unter anderem die erste Blutgasanalyse oder Pulsoxymetrie bei ambulant erworbenen Pneumonien, die Indikation bei der Hüft-Endoprothesen-Implantation und die Indikation zur Koronarangiographie.

Dr. Josef Siebig, unparteiisches Mitglied im GBA und Vorsitzender des Unterausschusses Qualitätssicherung, sieht den BQS-Bericht 2008 als Beleg dafür, dass die externe stationäre Qualitätssicherung zur Verbesserung der Versorgungsqualität beigetragen hat.

"Von den insgesamt 206 Qualitätsindikatoren wiesen immerhin 80 signifikante Verbesserungen auf", schreibt er im Vorwort. "Patienten in deutschen Kliniken werden in vielen Bereichen - etwa in der Herzchirurgie, bei der Karotis-Rekonstruktion oder in der Kardiologie - auf einem hervorragenden Niveau versorgt, welches im internationalen Umfeld keine Vergleiche scheuen muss."

Bei 96 Indikatoren gab es zwischen 2007 und 2008 keine nennenswerten Veränderungen, bei neun stellten die Experten allerdings eine signifikante Verschlechterung fest. "Besonders bei diesen Ergebnissen wird aber der bereits bewährte Strukturierte Dialog der Fachexperten der BQS und der Länder mit den Krankenhäusern Hilfestellungen liefern, um eventuellen Mängeln und echten Defiziten in der Versorgungsqualität nachzugehen ", hofft Siebig.

BQS-Bericht

Auf Basis der für 2007 erfassten Daten wurden die BQS-Experten im vergangenen Jahr in 20 000 Fällen aktiv, weil die von den Kliniken erreichten Ergebnisse außerhalb der definierten Referenzbereiche lagen. Die BQS schickte fast 9000 Hinweise an die Häuser, in denen sie aufgefordert werden, die auffälligen Ergebnisse zu analysieren und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen einzuleiten. 11 000 Mal mussten die Kliniken Stellungnahmen abgeben. "Durchschnittlich 9,7 Prozent der Auffälligkeiten wurden von den Fachgruppen als echte Qualitätsmängel eingestuft", heißt es im Qualitätsbericht.

Nur mit einem Teil der Kliniken mussten qualitätsverbessernde Maßnahmen vereinbart werden. Oft hatten bereits die angeforderten Stellungnahmen eine Problemanalyse und Verbesserungsmaßnahmen ausgelöst.

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