Ärzte Zeitung online, 18.11.2009

Trotz Prostatakrebs: Linke setzen auf Comeback von Lafontaine

BERLIN (dpa). Die Linkspartei setzt auf eine baldige Rückkehr ihres an Krebs erkrankten Vorsitzenden Oskar Lafontaine (66). "Ich gehe fest davon aus, dass Lafontaine im nächsten Jahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert", sagte der Berliner Linke-Chef Klaus Lederer am Mittwoch der dpa. Allerdings brachte der Thüringer Links-Fraktionschef Bodo Ramelow auch schon einen Generationenwechsel an der Spitze der Linken ins Gespräch.

Bei der am Dienstag bekannt gewordenen Erkrankung Lafontaines handelt es sich nach dpa-Informationen um Prostatakrebs. Der 66-Jährige selbst wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern. Er hatte zuvor nur allgemein von einer Krebserkrankung gesprochen, die an diesem Donnerstag operiert werden soll. Anfang 2010 will Lafontaine abhängig von seinem Gesundheitszustand und den ärztlichen Prognosen über die Fortsetzung seiner politischen Arbeit entscheiden.

Trotz der bevorstehenden Operation attackierte Lafontaine am Mittwoch in seiner Funktion als Fraktionschef der Linkspartei im Saarland im Saarbrücker Landtag die neue schwarz-gelb-grüne Landesregierung. Er warf ihr vor, Antworten auf die Finanzprobleme des Landes schuldig geblieben zu sein. "Der jetzt beschrittene Weg führt einfach in die Katastrophe", warnte Lafontaine, dessen Auftritt von einem großen Medienandrang begleitet war.

Nach Ansicht des Thüringer Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow muss die Linkspartei bereits jetzt für die Zeit nach Lafontaine planen. "Das hat nichts mit seiner Krebsoperation zu tun. Bei einem Lebensalter von 66 Richtung 67 bei Lafontaine muss man sich als Partei auf den Wechsel vorbereiten", sagte Ramelow der "Leipziger Volkszeitung". Er sprach sich für eine erneute Doppelspitze aus.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, sagte hingegen: "Oskar Lafontaine ist und bleibt unser Vorsitzender." Auch Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch geht davon aus, dass Lafontaine "im Januar wieder da ist und seine Arbeit wieder aufnimmt." Er stehe "wie kein anderer für den Erfolg der Linkspartei, vor allem im Westen", sagte er der dpa.

"Die Entwicklung der Linken zur gesamtdeutschen Partei ist eindeutig mit dem Namen Lafontaine verbunden. In Bezug auf diesen Prozess ist Lafontaine das wichtigste Sprachrohr der Linken", sagte der Berliner Linken-Chef Lederer. Die Linke in Baden-Württemberg hält Lafontaine als Integrationsfigur zwischen Ost- und Westverbänden für unverzichtbar. "Ich glaube schon, dass ihn die Linke noch einige Jahre braucht", sagte Landeschef Bernd Riexinger der dpa.

Nach Einschätzung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz ist Lafontaine nicht nur für seine Partei, sondern "für die gesamte Politik in Deutschland eine wichtige Person". Seit Lafontaines Rückkehr in die Politik könne es sich keine Partei mehr erlauben, das Thema soziale Gerechtigkeit auszublenden, sagte der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Alexander Ulrich der dpa.

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